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Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 29.01.2019 / Überarbeitung angenommen: 01.04.2019

Farbkodierte Kennzeichnungen übertreffen alle anderen Systeme


Einführung


Nichtübertragbare Krankheiten (non-communicable diseases, NCDs) stellen weltweit die wichtigsten Todesursachen dar, noch vor den Infektionskrankheiten [1]. In Deutschland sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen die beiden häufigsten Todesursachen, mit 42 % bzw. 23 % aller Todesfälle bei Frauen und 35 % bzw. 29 % aller Todesfälle bei Männern [2]. Die Prävalenz von Adipositas hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen [3]: Im Jahr 2013 waren 14,3 % der Frauen und 17,1 % der Männer adipös [4], ein Anstieg um 3,3 Prozentpunkte bei Frauen und 5,0 Prozentpunkte bei Männern, im Vergleich zu 1999 erhobenen Daten [5]. Die Prävalenz von Adipositas bei Erwachsenen wird derzeit auf 16,5 % bis 23,9 % bei Frauen und 17,3 % bis 23,3 % bei Männern geschätzt [6].

Die Entstehung dieser NCDs ist multifaktoriell und die Ernährung ist eine ihrer gemeinsamen Determinanten [7]. Allerdings wird das Ernährungsverhalten als variabler Faktor angesehen, der ein wichtiges Potenzial für die langfristige Prävention von NCDs bietet [8, 9]. Von den verschiedenen Strategien zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens bestimmter Bevölkerungsgruppen wurden einige von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besonders „rentabel“ (best buys) identifiziert, d. h., sie bieten bei vergleichsweise niedrigen Kosten große Vorteile: Besteuerung weniger gesunder Produkte, Regulierung der Vermarktung an Kinder und Front-of-Pack-Kennzeichnung [8]. Front-of-Pack-Kennzeichnungen (FoPLs) sollen VerbraucherInnen in die Lage versetzen, gesündere Kaufentscheidungen zu treffen, indem sie die auf der Rückseite der Verpackung befindlichen, detaillierten Nährwertangaben vereinfachen und den VerbraucherInnen dadurch deren Interpretation erleichtern [8].

Abstract


Front-of-Pack-Labels (FoPLs, auf der Vorderseite von Lebensmittelpackungen angebrachte Nährwertkennzeichnungen) enthalten vereinfachte Nährwertangaben, die VerbraucherInnen helfen sollen, sich für gesündere Ernährungsalternativen bzw. eine gesündere Lebensmittelauswahl zu entscheiden. Die Untersuchung des Verbraucherverständnisses solcher Informationen ist von großer Wichtigkeit. In dieser Studie wurde das objektive Verbraucherverständnis von fünf FoPLs (Health Star Rating-System [HSR], Multiple Traffic Lights [MTL, „Ampelkennzeichnung“], Nutri-Score, Reference Intakes [RIs, Referenzaufnahmemengen], Warnsymbol) verglichen. Im Jahr 2018 wurden 1 000 deutsche TeilnehmerInnen in eine Online-Befragung aufgenommen und gebeten, drei Produktgruppen nach ihrer Ernährungsqualität zu bewerten, zuerst ohne Kennzeichnung und dann mit einem FoPL auf der Verpackung (randomisiert). Veränderungen bei der Fähigkeit zur korrekten Bewertung der Produkte wurden mittels ordinaler logistischer Regression beurteilt. In allen Lebensmittelkategorien schnitt der Nutri-Score am besten ab, gefolgt von MTL, Warnsymbol, HSR und RIs. Der Nutri-Score erwies sich für die Vermittlung von Angaben zur Ernährungsqualität von Lebensmitteln für deutsche VerbraucherInnen als der effektivste FoPL.

Schlüsselwörter: Front-of-Pack-Nährwertkennzeichnung, Verbraucherverständnis, Ernährungspolitik, Lebensmittelpolitik, Nährwertkennzeichnung

Kostenfreier download des Artikels




Peer-reviewed / Manuscript (original contribution) received: January 29, 2019 / Revision accepted: April 01, 2019

Comparison of front-of-pack labels to help German consumers understand the nutritional quality of food products


Color-coded labels outperform all other systems


Abstract


Front-of-Package labels (FoPLs) provide simplified nutritional information to consumers to help them make healthier food choices. Investigating consumers’ understanding of this information is of major importance. This study compared consumers’ objective understanding of five FoPLs (Health Star Rating System [HSR], Multiple Traffic Lights [MTL], Nutri-Score, Reference Intakes [RIs], warning symbol). In 2018, 1,000 German participants were enrolled in an online survey and asked to rank three sets of products according to their nutritional quality, first in the absence of any labelling, and then with an FoPL displayed on-pack (randomized). Change in ability to correctly rank products was assessed using ordinal logistic regression. For all food categories, the Nutri-Score performed best, followed by the MTL, warning Symbol, HSR and RIs. The Nutri-Score emerged as the most effective FoPL in conveying information on the nutritional quality of foods for German consumers.

Keywords: front-of-pack nutrition label, understanding, German consumers, nutritional policy, food policy, nutrition labelling

Full text PDF (free access)




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 5/2019 von Seite M260 bis M268.




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Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 29.01.2019 / Überarbeitung angenommen: 01.04.2019

Farbkodierte Kennzeichnungen übertreffen alle anderen Systeme


Einführung


Nichtübertragbare Krankheiten (non-communicable diseases, NCDs) stellen weltweit die wichtigsten Todesursachen dar, noch vor den Infektionskrankheiten [1]. In Deutschland sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen die beiden häufigsten Todesursachen, mit 42 % bzw. 23 % aller Todesfälle bei Frauen und 35 % bzw. 29 % aller Todesfälle bei Männern [2]. Die Prävalenz von Adipositas hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen [3]: Im Jahr 2013 waren 14,3 % der Frauen und 17,1 % der Männer adipös [4], ein Anstieg um 3,3 Prozentpunkte bei Frauen und 5,0 Prozentpunkte bei Männern, im Vergleich zu 1999 erhobenen Daten [5]. Die Prävalenz von Adipositas bei Erwachsenen wird derzeit auf 16,5 % bis 23,9 % bei Frauen und 17,3 % bis 23,3 % bei Männern geschätzt [6].

Die Entstehung dieser NCDs ist multifaktoriell und die Ernährung ist eine ihrer gemeinsamen Determinanten [7]. Allerdings wird das Ernährungsverhalten als variabler Faktor angesehen, der ein wichtiges Potenzial für die langfristige Prävention von NCDs bietet [8, 9]. Von den verschiedenen Strategien zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens bestimmter Bevölkerungsgruppen wurden einige von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besonders „rentabel“ (best buys) identifiziert, d. h., sie bieten bei vergleichsweise niedrigen Kosten große Vorteile: Besteuerung weniger gesunder Produkte, Regulierung der Vermarktung an Kinder und Front-of-Pack-Kennzeichnung [8]. Front-of-Pack-Kennzeichnungen (FoPLs) sollen VerbraucherInnen in die Lage versetzen, gesündere Kaufentscheidungen zu treffen, indem sie die auf der Rückseite der Verpackung befindlichen, detaillierten Nährwertangaben vereinfachen und den VerbraucherInnen dadurch deren Interpretation erleichtern [8].

Abstract


Front-of-Pack-Labels (FoPLs, auf der Vorderseite von Lebensmittelpackungen angebrachte Nährwertkennzeichnungen) enthalten vereinfachte Nährwertangaben, die VerbraucherInnen helfen sollen, sich für gesündere Ernährungsalternativen bzw. eine gesündere Lebensmittelauswahl zu entscheiden. Die Untersuchung des Verbraucherverständnisses solcher Informationen ist von großer Wichtigkeit. In dieser Studie wurde das objektive Verbraucherverständnis von fünf FoPLs (Health Star Rating-System [HSR], Multiple Traffic Lights [MTL, „Ampelkennzeichnung“], Nutri-Score, Reference Intakes [RIs, Referenzaufnahmemengen], Warnsymbol) verglichen. Im Jahr 2018 wurden 1 000 deutsche TeilnehmerInnen in eine Online-Befragung aufgenommen und gebeten, drei Produktgruppen nach ihrer Ernährungsqualität zu bewerten, zuerst ohne Kennzeichnung und dann mit einem FoPL auf der Verpackung (randomisiert). Veränderungen bei der Fähigkeit zur korrekten Bewertung der Produkte wurden mittels ordinaler logistischer Regression beurteilt. In allen Lebensmittelkategorien schnitt der Nutri-Score am besten ab, gefolgt von MTL, Warnsymbol, HSR und RIs. Der Nutri-Score erwies sich für die Vermittlung von Angaben zur Ernährungsqualität von Lebensmitteln für deutsche VerbraucherInnen als der effektivste FoPL.

Schlüsselwörter: Front-of-Pack-Nährwertkennzeichnung, Verbraucherverständnis, Ernährungspolitik, Lebensmittelpolitik, Nährwertkennzeichnung

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Peer-reviewed / Manuscript (original contribution) received: January 29, 2019 / Revision accepted: April 01, 2019

Comparison of front-of-pack labels to help German consumers understand the nutritional quality of food products


Color-coded labels outperform all other systems


Abstract


Front-of-Package labels (FoPLs) provide simplified nutritional information to consumers to help them make healthier food choices. Investigating consumers’ understanding of this information is of major importance. This study compared consumers’ objective understanding of five FoPLs (Health Star Rating System [HSR], Multiple Traffic Lights [MTL], Nutri-Score, Reference Intakes [RIs], warning symbol). In 2018, 1,000 German participants were enrolled in an online survey and asked to rank three sets of products according to their nutritional quality, first in the absence of any labelling, and then with an FoPL displayed on-pack (randomized). Change in ability to correctly rank products was assessed using ordinal logistic regression. For all food categories, the Nutri-Score performed best, followed by the MTL, warning Symbol, HSR and RIs. The Nutri-Score emerged as the most effective FoPL in conveying information on the nutritional quality of foods for German consumers.

Keywords: front-of-pack nutrition label, understanding, German consumers, nutritional policy, food policy, nutrition labelling

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Vergleich von Front-of-Pack-Kennzeichnungen zur Aufklärung deutscher VerbraucherInnen über den Nährwert von Lebensmitteln

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Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 29.01.2019 / Überarbeitung angenommen: 01.04.2019

Farbkodierte Kennzeichnungen übertreffen alle anderen Systeme
Einführung

Nichtübertragbare Krankheiten (non-communicable diseases, NCDs) stellen weltweit die wichtigsten Todesursachen dar, noch vor den Infektionskrankheiten [1]. In Deutschland sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen die beiden häufigsten Todesursachen, mit 42 % bzw. 23 % aller Todesfälle bei Frauen und 35 % bzw. 29 % aller Todesfälle bei Männern [2]. Die Prävalenz von Adipositas hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen [3]: Im Jahr 2013 waren 14,3 % der Frauen und 17,1 % der Männer adipös [4], ein Anstieg um 3,3 Prozentpunkte bei Frauen und 5,0 Prozentpunkte bei Männern, im Vergleich zu 1999 erhobenen Daten [5]. Die Prävalenz von Adipositas bei Erwachsenen wird derzeit auf 16,5 % bis 23,9 % bei Frauen und 17,3 % bis 23,3 % bei Männern geschätzt [6].

Die Entstehung dieser NCDs ist multifaktoriell und die Ernährung ist eine ihrer gemeinsamen Determinanten [7]. Allerdings wird das Ernährungsverhalten als variabler Faktor angesehen, der ein wichtiges Potenzial für die langfristige Prävention von NCDs bietet [8, 9]. Von den verschiedenen Strategien zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens bestimmter Bevölkerungsgruppen wurden einige von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besonders „rentabel“ (best buys) identifiziert, d. h., sie bieten bei vergleichsweise niedrigen Kosten große Vorteile: Besteuerung weniger gesunder Produkte, Regulierung der Vermarktung an Kinder und Front-of-Pack-Kennzeichnung [8]. Front-of-Pack-Kennzeichnungen (FoPLs) sollen VerbraucherInnen in die Lage versetzen, gesündere Kaufentscheidungen zu treffen, indem sie die auf der Rückseite der Verpackung befindlichen, detaillierten Nährwertangaben vereinfachen und den VerbraucherInnen dadurch deren Interpretation erleichtern [8].

Abstract

Front-of-Pack-Labels (FoPLs, auf der Vorderseite von Lebensmittelpackungen angebrachte Nährwertkennzeichnungen) enthalten vereinfachte Nährwertangaben, die VerbraucherInnen helfen sollen, sich für gesündere Ernährungsalternativen bzw. eine gesündere Lebensmittelauswahl zu entscheiden. Die Untersuchung des Verbraucherverständnisses solcher Informationen ist von großer Wichtigkeit. In dieser Studie wurde das objektive Verbraucherverständnis von fünf FoPLs (Health Star Rating-System [HSR], Multiple Traffic Lights [MTL, „Ampelkennzeichnung“], Nutri-Score, Reference Intakes [RIs, Referenzaufnahmemengen], Warnsymbol) verglichen. Im Jahr 2018 wurden 1 000 deutsche TeilnehmerInnen in eine Online-Befragung aufgenommen und gebeten, drei Produktgruppen nach ihrer Ernährungsqualität zu bewerten, zuerst ohne Kennzeichnung und dann mit einem FoPL auf der Verpackung (randomisiert). Veränderungen bei der Fähigkeit zur korrekten Bewertung der Produkte wurden mittels ordinaler logistischer Regression beurteilt. In allen Lebensmittelkategorien schnitt der Nutri-Score am besten ab, gefolgt von MTL, Warnsymbol, HSR und RIs. Der Nutri-Score erwies sich für die Vermittlung von Angaben zur Ernährungsqualität von Lebensmitteln für deutsche VerbraucherInnen als der effektivste FoPL.

Schlüsselwörter: Front-of-Pack-Nährwertkennzeichnung, Verbraucherverständnis, Ernährungspolitik, Lebensmittelpolitik, Nährwertkennzeichnung

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Peer-reviewed / Manuscript (original contribution) received: January 29, 2019 / Revision accepted: April 01, 2019

Comparison of front-of-pack labels to help German consumers understand the nutritional quality of food products
Color-coded labels outperform all other systems
Abstract

Front-of-Package labels (FoPLs) provide simplified nutritional information to consumers to help them make healthier food choices. Investigating consumers’ understanding of this information is of major importance. This study compared consumers’ objective understanding of five FoPLs (Health Star Rating System [HSR], Multiple Traffic Lights [MTL], Nutri-Score, Reference Intakes [RIs], warning symbol). In 2018, 1,000 German participants were enrolled in an online survey and asked to rank three sets of products according to their nutritional quality, first in the absence of any labelling, and then with an FoPL displayed on-pack (randomized). Change in ability to correctly rank products was assessed using ordinal logistic regression. For all food categories, the Nutri-Score performed best, followed by the MTL, warning Symbol, HSR and RIs. The Nutri-Score emerged as the most effective FoPL in conveying information on the nutritional quality of foods for German consumers.

Keywords: front-of-pack nutrition label, understanding, German consumers, nutritional policy, food policy, nutrition labelling

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News zum Thema des Artikels

Teller mit Haferflocken, daneben Kinderhände mit einem Löffel.

Lesetipp Heft 6/2026: Mangan-, Molybdän- und Zinkzufuhr bei Kindern in Deutschland

Kinder in Deutschland sind über ihre Ernährung meist ausreichend mit Mangan, Molybdän und Zink versorgt. Das zeigen aktuelle Daten aus der BfR-MEAL- und KiESEL-Studie …
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Zwei Personen sitzen am Tisch und prüfen ein Schriftstück

Online News: Leopoldina veröffentlicht Positionspapier zur Prävention und Therapie von Adipositas

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat einen Policy Brief zur Eindämmung der Adipositas-Epidemie in Deutschland veröffentlicht. Darin empfiehlt sie Strategien zur Prävention und Therapie von Adipositas …
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5 Grafiken von Menschen in unetrschiedlichen Essumgebungen

Lesetipp Heft 2/2026: Wie Ernährungsumgebungen in grafischen Modellen dargestellt werden

Das Konzept der Ernährungsumgebungen versucht die verschieden Einflussebenen auf das individuelle Ernährungsverhalten zu verdeutlichen. Der Special Beitrag stellt verschiedene Modelle mit ihren Stärken und Limitationen für Public Health-Aufgaben vor …
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Artikelfakten

Rubrik: Peer Review
Veröffentlicht: 13.05.2019

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