Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass immer mehr Lebensmittel einen Zusatznutzen haben? Getränke sind nicht mehr nur Durstlöscher, sondern enthalten zusätzlich Ballaststoffe, Vitamine oder Mineralstoffe. Pudding ist nicht einfach ein leckerer Nachtisch, sondern gleichzeitig ein Proteinlieferant.
Viele Produkte im Supermarkt ähneln heute mehr einem Nahrungsergänzungsmittel als einem klassischen Lebensmittel. Essen soll nicht mehr nur sättigen und schmecken, es soll auch optimieren, unterstützen und verbessern. Verstärkt wird dieser Trend durch die sozialen Medien, die solche Produkte nicht nur bewerben, sondern oft mit großen Gesundheitsversprechen aufladen. Für Hersteller ist das ein attraktives Geschäftsmodell. Produkte mit Zusatznutzen lassen sich deutlich teurer verkaufen als vergleichbare Standardprodukte. Gesundheit wird zum Verkaufsargument, für das viele Menschen bereit sind, viel Geld auszugeben.
Besonders an Proteinprodukten scheint kein Weg mehr vorbeizuführen. Kaum ein Lebensmittel, das es nicht auch in einer proteinreicheren Variante gibt. Ähnliches gilt für den noch recht neuen Ernährungstrend des „Fibermaxxings“, bei dem die tägliche Ballaststoffzufuhr bewusst und deutlich erhöht werden soll. Auch hier wird nicht nur auf von Natur aus ballaststoffreiche Lebensmittel gesetzt, sondern es gibt längst Riegel, Shakes und Getränke, die eine einfachere Umsetzung versprechen.
Natürlich können solche Produkte im Einzelfall sinnvoll sein. Problematisch wird es jedoch, wenn daraus der Eindruck entsteht, dass eine herkömmliche Ernährung nicht mehr ausreicht. Denn dieser Trend verändert, wie wir Ernährung wahrnehmen. Essen wird zunehmend danach bewertet, was es zusätzlich leisten kann. Wer auf Produkte mit Zusatznutzen verzichtet, fragt sich schnell, ob er nicht mehr für seine Gesundheit tun könnte.
Dabei braucht eine ausgewogene Ernährung in den meisten Fällen keine teuren Spezialprodukte. High-Protein-Produkte sind aus ernährungsphysiologischer Sicht in der Regel überflüssig, der Proteinbedarf lässt sich auch ohne angereicherte Puddings decken. Dass Themen wie ein höherer Ballaststoffverzehr stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken, ist dagegen durchaus positiv. Die Zufuhr liegt hierzulande häufig unter dem von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Richtwert von 30 g pro Tag. Doch auch hier gilt: Mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst lässt sich die Ballaststoffzufuhr auch ganz ohne Zusatzprodukte erhöhen. Denn Essen muss nicht ständig optimiert werden. Essen darf gerne einfach nur Essen sein.
Ihre Katrin Swoboda
Diesen Artikel sowie eine Vorschau auf das nächste Heft finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2026 auf Seite M384.