Die meisten Menschen wissen, was sie für ein gesundes Leben brauchen. Trotz allem fällt die Umsetzung gesunder Lebensstilmaßnahmen oft schwer. Eine aktuelle Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat diese sog. Lebensstil-Dissonanz, also die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln, wissenschaftlich beleuchtet und am Beispiel von Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress dargelegt [1]. „Die Nichtbefolgung von Präventionsmaßnahmen darf nicht als Mangel an Willenskraft oder Wissen missverstanden werden, sondern ist das Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen evolutionär und individuell entwickelten neuronalen Belohnungssystemen, erlernten Kontrollmechanismen und Umweltfaktoren, die genau  in diese biologischen ‚Schwachstellen‘ hineinwirken“, so erklärt DGN-Präsidentin Prof. Dr. Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie, UKSH Kiel, was in der Psychologie als Intentions-Verhaltens-Lücke bezeichnet wird: Wir tun etwas wider besseres Wissen. Besonders bei den Themen Bewegung und Ernährung greifen evolutionär verankerte Muster und Belohnungssysteme. In der Urzeit sicherte der Mensch sein Überleben, indem er seine Kräfte schonte und energiereiche Nahrung bevorzugte. Neurologische Mechanismen, die uns mit der Ausschüttung von „Wohlfühlhormonen“ belohnen, animieren uns bis heute,  tagtäglich mehr zu essen, als bei der jetzigen sicheren Versorgungslage sinnvoll ist und uns guttut, und gleichzeitig mit unseren Kräften zu haushalten. Außerdem spielen individuelle Erfahrungen und die Erziehung eine Rolle. Wenn Kinder z. B. für positives Verhalten mit Süßigkeiten belohnt werden, formen sich Verbindungen im Gehirn, die immer rascher nach der süßen Belohnung suchen. Auch Schlaf und Stress beeinflussen unser Verhalten. Obwohl wir wissen, dass ausreichender Schlaf wichtig ist, bleiben laut Studie v. a. gestresste Menschen häufig zu lange wach, weil sie mehr Freizeit haben wollen, die sie dann mit Aktivitäten ausfüllen, die sie unmittelbar mit Wohlgefühl belohnen. Dadurch entstehe ein Teufelskreis, da Schlafmangel die Kontrolle des Gehirns über kurzfristige Belohnungsmechanismen beeinträchtigt und gesunde Entscheidungen zusätzlich erschwert. Doch genauso, wie solche neuronalen Rückkopplungsschleifen ungesundes Verhalten verfestigen, lassen sie sich auch nutzen, um gesundes Verhalten „anzutrainieren“. Neurobiologische Mechanismen sollten bei der Gesundheitsaufklärung bewusst gemacht werden, um die jeweils „richtigen“ Tools zu finden: „Nur wer weiß, dass bei ihm oder ihr neurobiologische Mechanismen das Verhalten steuern, kann sich dem erfolgreich widersetzen. […] Wir müssen vermitteln, warum es zu dieser Lebensstil-Dissonanz kommt und warum es so schwer ist, Änderungen umzusetzen.“ Die Expertin wirbt dafür, auch Rückschläge zuzulassen und medizinische Beratungsangebote so zu unterbreiten, dass Betroffene an jedem Punkt abgeholt und immer wieder neu motiviert werden. „Gesundheitsprävention muss von Scham, Frust, Selbstvorwürfen und Stigmatisierung befreit werden.“ Aus den Erkenntnissen ergeben sich drei Empfehlungen der Forschenden für den Alltag:
  1. Geduldig sein und Rückschläge akzeptieren.
  2. Ein Verständnis für die dahinterliegenden Mechanismen entwickeln und sich realistische Ziele setzen.
  3. Im Voraus planen, d. h. in Ruhe- und Entspannungsphasen Entscheidungen treffen (z. B. Einkaufslisten schreiben, Bewegungspläne erstellen oder Schlaf-Routinen festlegen).
Literatur 1. Berg D, Krause M, Schaeffer E, Hermann G: Understanding lifestyle dissonance: A neurobiological narrative to strengthen preventive health behavior. Eur J Neurol 2026, 33(4): e70606. Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V., Pressemeldung vom 12.05.2026
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 7/2026 auf Seite M392.
Die meisten Menschen wissen, was sie für ein gesundes Leben brauchen. Trotz allem fällt die Umsetzung gesunder Lebensstilmaßnahmen oft schwer. Eine aktuelle Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat diese sog. Lebensstil-Dissonanz, also die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln, wissenschaftlich beleuchtet und am Beispiel von Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress dargelegt [1].
Die meisten Menschen wissen, was sie für ein gesundes Leben brauchen. Trotz allem fällt die Umsetzung gesunder Lebensstilmaßnahmen oft schwer. Eine aktuelle Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat diese sog. Lebensstil-Dissonanz, also die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln, wissenschaftlich beleuchtet und am Beispiel von Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress dargelegt [1]. „Die Nichtbefolgung von Präventionsmaßnahmen darf nicht als Mangel an Willenskraft oder Wissen missverstanden werden, sondern ist das Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen evolutionär und individuell entwickelten neuronalen Belohnungssystemen, erlernten Kontrollmechanismen und Umweltfaktoren, die genau  in diese biologischen ‚Schwachstellen‘ hineinwirken“, so erklärt DGN-Präsidentin Prof. Dr. Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie, UKSH Kiel, was in der Psychologie als Intentions-Verhaltens-Lücke bezeichnet wird: Wir tun etwas wider besseres Wissen. Besonders bei den Themen Bewegung und Ernährung greifen evolutionär verankerte Muster und Belohnungssysteme. In der Urzeit sicherte der Mensch sein Überleben, indem er seine Kräfte schonte und energiereiche Nahrung bevorzugte. Neurologische Mechanismen, die uns mit der Ausschüttung von „Wohlfühlhormonen“ belohnen, animieren uns bis heute,  tagtäglich mehr zu essen, als bei der jetzigen sicheren Versorgungslage sinnvoll ist und uns guttut, und gleichzeitig mit unseren Kräften zu haushalten. Außerdem spielen individuelle Erfahrungen und die Erziehung eine Rolle. Wenn Kinder z. B. für positives Verhalten mit Süßigkeiten belohnt werden, formen sich Verbindungen im Gehirn, die immer rascher nach der süßen Belohnung suchen. Auch Schlaf und Stress beeinflussen unser Verhalten. Obwohl wir wissen, dass ausreichender Schlaf wichtig ist, bleiben laut Studie v. a. gestresste Menschen häufig zu lange wach, weil sie mehr Freizeit haben wollen, die sie dann mit Aktivitäten ausfüllen, die sie unmittelbar mit Wohlgefühl belohnen. Dadurch entstehe ein Teufelskreis, da Schlafmangel die Kontrolle des Gehirns über kurzfristige Belohnungsmechanismen beeinträchtigt und gesunde Entscheidungen zusätzlich erschwert. Doch genauso, wie solche neuronalen Rückkopplungsschleifen ungesundes Verhalten verfestigen, lassen sie sich auch nutzen, um gesundes Verhalten „anzutrainieren“. Neurobiologische Mechanismen sollten bei der Gesundheitsaufklärung bewusst gemacht werden, um die jeweils „richtigen“ Tools zu finden: „Nur wer weiß, dass bei ihm oder ihr neurobiologische Mechanismen das Verhalten steuern, kann sich dem erfolgreich widersetzen. […] Wir müssen vermitteln, warum es zu dieser Lebensstil-Dissonanz kommt und warum es so schwer ist, Änderungen umzusetzen.“ Die Expertin wirbt dafür, auch Rückschläge zuzulassen und medizinische Beratungsangebote so zu unterbreiten, dass Betroffene an jedem Punkt abgeholt und immer wieder neu motiviert werden. „Gesundheitsprävention muss von Scham, Frust, Selbstvorwürfen und Stigmatisierung befreit werden.“ Aus den Erkenntnissen ergeben sich drei Empfehlungen der Forschenden für den Alltag:
  1. Geduldig sein und Rückschläge akzeptieren.
  2. Ein Verständnis für die dahinterliegenden Mechanismen entwickeln und sich realistische Ziele setzen.
  3. Im Voraus planen, d. h. in Ruhe- und Entspannungsphasen Entscheidungen treffen (z. B. Einkaufslisten schreiben, Bewegungspläne erstellen oder Schlaf-Routinen festlegen).
Literatur 1. Berg D, Krause M, Schaeffer E, Hermann G: Understanding lifestyle dissonance: A neurobiological narrative to strengthen preventive health behavior. Eur J Neurol 2026, 33(4): e70606. Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V., Pressemeldung vom 12.05.2026
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 7/2026 auf Seite M392.

Gesundheitsförderung: Was uns davon abhält, gesund zu leben

Die meisten Menschen wissen, was sie für ein gesundes Leben brauchen. Trotz allem fällt die Umsetzung gesunder Lebensstilmaßnahmen oft schwer.
Eine aktuelle Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat diese sog. Lebensstil-Dissonanz, also die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln, wissenschaftlich beleuchtet und am Beispiel von Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress dargelegt [1].

„Die Nichtbefolgung von Präventionsmaßnahmen darf nicht als Mangel an Willenskraft oder Wissen missverstanden werden, sondern ist das Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen evolutionär und individuell entwickelten neuronalen Belohnungssystemen, erlernten Kontrollmechanismen und Umweltfaktoren, die genau  in diese biologischen ‚Schwachstellen‘ hineinwirken“, so erklärt DGN-Präsidentin Prof. Dr. Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie, UKSH Kiel, was in der Psychologie als Intentions-Verhaltens-Lücke bezeichnet wird: Wir tun etwas wider besseres Wissen.
Besonders bei den Themen Bewegung und Ernährung greifen evolutionär verankerte Muster und Belohnungssysteme. In der Urzeit sicherte der Mensch sein Überleben, indem er seine Kräfte schonte und energiereiche Nahrung bevorzugte. Neurologische Mechanismen, die uns mit der Ausschüttung von „Wohlfühlhormonen“ belohnen, animieren uns bis heute,  tagtäglich mehr zu essen, als bei der jetzigen sicheren Versorgungslage sinnvoll ist und uns guttut, und gleichzeitig mit unseren Kräften zu haushalten. Außerdem spielen individuelle Erfahrungen und die Erziehung eine Rolle. Wenn Kinder z. B. für positives Verhalten mit Süßigkeiten belohnt werden, formen sich Verbindungen im Gehirn, die immer rascher nach der süßen Belohnung suchen.
Auch Schlaf und Stress beeinflussen unser Verhalten. Obwohl wir wissen, dass ausreichender Schlaf wichtig ist, bleiben laut Studie v. a. gestresste Menschen häufig zu lange wach, weil sie mehr Freizeit haben wollen, die sie dann mit Aktivitäten ausfüllen, die sie unmittelbar mit Wohlgefühl belohnen. Dadurch entstehe ein Teufelskreis, da Schlafmangel die Kontrolle des Gehirns über kurzfristige Belohnungsmechanismen beeinträchtigt und gesunde Entscheidungen zusätzlich erschwert.
Doch genauso, wie solche neuronalen Rückkopplungsschleifen ungesundes Verhalten verfestigen, lassen sie sich auch nutzen, um gesundes Verhalten „anzutrainieren“. Neurobiologische Mechanismen sollten bei der Gesundheitsaufklärung bewusst gemacht werden, um die jeweils „richtigen“ Tools zu finden: „Nur wer weiß, dass bei ihm oder ihr neurobiologische Mechanismen das Verhalten steuern, kann sich dem erfolgreich widersetzen. […] Wir müssen vermitteln, warum es zu dieser Lebensstil-Dissonanz kommt und warum es so schwer ist, Änderungen umzusetzen.“ Die Expertin wirbt dafür, auch Rückschläge zuzulassen und medizinische Beratungsangebote so zu unterbreiten, dass Betroffene an jedem Punkt abgeholt und immer wieder neu motiviert werden. „Gesundheitsprävention muss von Scham, Frust, Selbstvorwürfen und Stigmatisierung befreit werden.“
Aus den Erkenntnissen ergeben sich drei Empfehlungen der Forschenden für den Alltag:

  1. Geduldig sein und Rückschläge akzeptieren.
  2. Ein Verständnis für die dahinterliegenden Mechanismen entwickeln und sich realistische Ziele setzen.
  3. Im Voraus planen, d. h. in Ruhe- und Entspannungsphasen Entscheidungen treffen (z. B. Einkaufslisten schreiben, Bewegungspläne erstellen oder Schlaf-Routinen festlegen).

Literatur
1. Berg D, Krause M, Schaeffer E, Hermann G: Understanding lifestyle dissonance: A neurobiological narrative to strengthen preventive health behavior. Eur J Neurol 2026, 33(4): e70606.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V., Pressemeldung vom 12.05.2026


Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 7/2026 auf Seite M392.

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Veröffentlicht: 15.07.2026

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