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Interview mit Holger Zellmer
Probleme mit der Lesbarkeit des Aufdrucks und dem Öffnen der Verpackung betreffen nicht nur ältere Menschen. Ich denke, jeder ist schon einmal an einem Jogurtbecher oder einer Wasserflasche verzweifelt. Für Hersteller ergibt es wenig Sinn, sich direkt auf die Zielgruppe Senioren zu fokussieren oder spezielle Produkte für ältere Menschen zu konzipieren. Zum einen nützt eine leicht zu öffnende Verpackung mit gut lesbarer Beschriftung allen Verbrauchern, zum anderen sehen sich die älteren Verbraucher heute selbst nicht als alt, sondern begreifen sich als aktive und agile Bevölkerungsgruppe. Für sie gilt das Motto: Alt sind immer die anderen.
Produkte speziell für Senioren oder nur mit Seniorenimage werden gemieden, weil niemand sich als „alt” outen will. Ich vergleiche das gerne mit Autos oder Mobiltelefonen: Ein Sports-Van lässt sich in der Generation 60+ viel besser verkaufen als ein Golf Plus. Ein Smartphone viel besser als ein Seniorentelefon. Beide Produkte spiegeln das sportliche und aktive Lebensgefühl der zunehmend älter werdenden Kunden besser wider.
Bei Lebensmitteln ist es ähnlich: Spezielle Produkte für Senioren werden vom Markt nicht akzeptiert. Der Versuch vor einigen Jahren, in Leipzig einen Lebensmittelmarkt speziell für Senioren zu betreiben, hat das bestätigt. Das Geschäft hat wieder geschlossen. Was für spezielle Kinderprodukte gut funktioniert, geht überhaupt nicht für Seniorenprodukte.