In den Ländern Afrikas südlich der Sahara sind viele Menschen unter- oder mangelernährt. Eine Studie der Universitäten Bonn und Ghana zeigt, wie wachsender Wohlstand und eine zunehmende Urbanisierung den Speiseplan der Menschen dort beeinflussen [1]. Demnach ernähren sich die wohlhabenderen Bevölkerungsschichten mehr und mehr wie Menschen in den westlichen Industrienationen. Dadurch verbessert sich zwar ihre Versorgung mit wichtigen Nährstoffen. Gleichzeitig steigen die negativen Auswirkungen auf die Umwelt.
Ein Drittel der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase entsteht bei der Produktion von Lebensmitteln. Mit dem, was wir essen und trinken, tragen wir also signifikant zur Erderwärmung bei. Gerade in westlichen Industrienationen gefährden die dort üblichen Ernährungsmuster Klima und Umwelt. „In den Ländern südlich der Sahara sind die ökologischen Auswirkungen dagegen deutlich geringer“, betont Prof. Dr. Matin Qaim vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn.
Das liegt v. a. an zwei Punkten: Zum einen essen dort viele Menschen schlicht weniger, weil sie es sich nicht leisten können. Zum anderen stehen bei ihnen tierische Lebensmittel wie Fleisch, Eier und Milch vergleichsweise selten auf dem Speiseplan. Die Herstellung dieser Produkte ist besonders umweltschädlich. Gleichzeitig sind sie jedoch eine hochwertige Protein- und Nährstoffquelle. Werden sie verstärkt konsumiert, kann das daher den Ernährungsstatus positiv beeinflussen.
Die Forschenden stützen sich für ihre Analyse auf Ernährungsdaten von knapp 18000 Haushalten in Ghana, Äthiopien und Nigeria. Diese enthielten auch Angaben zum jeweiligen Haushaltseinkommen der Befragten und dazu, ob sie in der Stadt oder auf dem Land lebten. „Für jedes konsumierte Lebensmittel haben wir eine sogenannte Lebenszyklus-Analyse vorgenommen“, erklärt Qaims Mitarbeiterin Dr. Juliana Minetto Gellert Paris, die Erstautorin der Studie.
Dabei versucht man möglichst genau zu bestimmen, welche Auswirkung die Herstellung eines Produkts auf die Umwelt hat: Wie viel Landfläche wird für den Anbau benötigt? Wie viel Dünger wird eingesetzt? Wie hoch ist der Ernteertrag? Welcher Anteil davon verdirbt, weil er nicht schnell genug zum Markt gelangt? Wie weit sind die Transportwege und wie viel Energie wird dafür benötigt? „Aus all diesen Faktoren lässt sich beispielsweise berechnen, welche Menge an Treibhausgasen bei der Produktion von einem Liter Milch oder einem Kilogramm Mais- oder Maniokmehl entsteht“, sagt Gellert Paris.
Bislang gab es derartige Analysen fast ausschließlich für Industrienationen und verlässliche Zahlen für Subsahara-Afrika fehlten weitestgehend, da man aufgrund unterschiedlicher Produktionsbedingungen nicht die gleichen ökologischen Effekte unterstellen kann. Die Daten zeigen, dass Gutverdiener*innen sich im Schnitt ähnlich wie Personen in westlichen Industrieländern ernähren – mit deutlich mehr tierischen Produkten, aber auch mit hochverarbeiteten Lebensmitteln. Auch ihr Konsum von Limonaden, Fruchtsäften, Kaffee und Tee war erheblich höher als beim Rest der Befragten. „Bei den Stadtbewohnern lässt sich ein ähnlicher Trend beobachten“, sagt Qaim, der auch Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Nachhaltige Zukunft“ und im Exzellenzcluster „PhenoRob“ ist. „Das gilt selbst bei denen, die nicht ganz so gut verdienen.“
Ein höheres Einkommen und die zunehmende Urbanisierung führen also dazu, dass sich die Ernährungsmuster umstellen. „Das ist bis zu einem gewissen Grade positiv“, erläutert Gellert Paris: „Gerade der vermehrte Verzehr von tierischen Lebensmitteln sorgt für eine verbesserte Versorgung mit wichtigen Nährstoffen.“ Allerdings gilt das nur bis zu einem bestimmten Punkt: Zu viel Fleisch schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch der Gesundheit.
Momentan leben in Ländern südlich der Sahara rund 1,3 Mrd. Menschen. 2050 werden es wohl doppelt so viele sein. „Sie alle mit hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen, ist ein vordringliches Ziel“, betont die Wissenschaftlerin. „Auch wenn dazu eine vermehrte Produktion tierbasierter Produkte nötig sein sollte. Es wäre ebenso arrogant wie zynisch, von den Menschen dort zu erwarten, zu Gunsten der Umwelt Vegetarier zu werden.“
Insgesamt sei damit zu rechnen, dass die negativen ökologischen Effekte des Lebensmittelsektors in Subsahara-Afrika deutlich zunehmen werden. Dennoch glauben die Forschenden, dass sich diese Auswirkungen begrenzen lassen – etwa durch Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft. Denn je weniger Fläche benötigt wird, um eine bestimmte Menge zu erzeugen, desto geringer sind die dadurch verursachten Umweltschäden. Zudem sei es wichtig, die Verluste zu minimieren. Momentan verdirbt ein Teil der Erzeugnisse, bevor er auf den Tellern landet – bspw. weil es an Möglichkeiten mangelt, die Ware zu kühlen.
„Durch technologische Fortschritte lassen sich die ökologischen Folgen zumindest mindern“, sagt Qaim. „Zusätzlich sollte die Politik aber versuchen, durch Aufklärungskampagnen zu verhindern, dass unser Lebensstil auch in den Ländern Afrikas Schule macht. Denn wir taugen sicher nicht als gutes Vorbild für Nachhaltigkeit.“
Literatur
1. Gellert Paris JM, Nöthlings U, Asante FA, Qaim M: The sustainability of diets in sub-Saharan Africa: Synergies and tradeoffs between human health and the environment. Sustain Prod Consum 2026; 65: 215–27.
Quelle: Universität Bonn, Pressemeldung vom 29.04.2026
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2026 auf Seite M512.