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Der jahrzehntelange Butter-Margarine-Krieg ist ein klassisches Beispiel für das Aufeinandertreffen von Tradition, Ernährungswissenschaft, Technologie und Lobbyismus. Hierbei ging es um nichts Geringeres als die Vorherrschaft auf unserem täglichen Brot.
Die Kontrahenten: Butter, das uralte, traditionsreiche Produkt der Milchwirtschaft. Ihr Hauptargument war stets der unvergleichliche Geschmack des Naturprodukts. Aufgrund ihres hohen Gehalts an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin stand sie allerdings lange im Fadenkreuz von Ernährungsphysiologie bzw. -medizin und wurde mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht. Der Gegenspieler: Margarine, die im 19. Jahrhundert als kostengünstiger Butterersatz entwickelt wurde. Basierte sie anfänglich auch auf tierischen Fetten, so nutzte sie später fast ausschließlich Pflanzenöle. Butterlobbyisten kämpften seitdem weltweit mit harten Bandagen gegen diese Konkurrenz. Mit Färbeverboten, Sonderabgaben, strikter Namensgebung und Verpackung sowie der Diffamierung der Inhaltsstoffe versuchten sie, den eigenen Markt zu
schützen und Margarine unattraktiv zu machen. Die Margarineindustrie punktete mit dem Argument der besseren Streichfähigkeit – unabhängig von der Kühltemperatur – und später mit ernährungsphysiologischen Vorteilen, insbesondere dem Gehalt an ungesättigten Fettsäuren. Zeitweise stand Margarine jedoch in der Kritik, weil die zur Verfestigung notwendigen Hydrierungsverfahren potenziell gesundheitsschädliche Transfette erzeugten. Dieses Risiko konnte durch den Einsatz moderner Produktionstechniken inzwischen aber weitgehend eliminiert werden.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Debatte durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse weiter relativiert. Die pauschale Verteufelung gesättigter Fette wurde nuancierter, ebenso die Bewertung von Pflanzenölen. Die kulinarische und ernährungsphysiologische Auflösung des Konflikts manifestiert sich in der Etablierung von Streichfettgemischen aus Butter und Pflanzenölen. Diese hybriden Produkte repräsentieren einen technologischen Kompromiss: Sie verbinden die sensorischen Vorzüge von Milchfett mit der Funktionalität von Pflanzenölen. Durch den gezielten Einsatz von Pflanzenölen mit niedrigem Schmelzpunkt wird die Kristallstruktur so verändert, dass das Produkt auch im Kühlschrank streichfähig bleibt.
Das so marktoptimierte Produkt bietet den Verbraucher*innen den gewünschten buttrigen Geschmack ohne den Nachteil der härteren Kühlschrank-Butter und enthält zusätzliche ungesättigte Fettsäuren. Während die Traditionalist*innen beider Lager die Hybride weiterhin kritisch sehen mögen, haben die Streichfettgemische den alten Konflikt in der Praxis zugunsten eines pragmatischen Mittelweges entschieden. Aber dennoch gilt weiterhin: weniger ist mehr.
Ihr Helmut Heseker
Diesen Artikel sowie eine Vorschau auf das nächste Heft finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 5/2026 auf Seite M320.