Die sog. Wechseljahre um die Menopause herum bringen für viele Frauen ein ganzes Bündel von Herausforderungen mit sich. Die kontinuierlich abnehmende Produktion der Hormone der Eierstöcke löst eine Reihe von zentralen Umstellungen im Stoffwechsel aus und erzeugt teils unerwartet heftige Nebenwirkungen. Nach langer Nichtbeachtung im gesellschaftlichen Umfeld dringt diese Sachlage erst langsam ins gesellschaftliche Bewusstsein und die wissenschaftliche Forschung vor.
Frauen sind daran gewöhnt, dass ihr Hormonhaushalt ihnen manchmal übel mitspielt. Während die Befindlichkeitsstörungen während der Menstruation gerade bei jungen Frauen inzwischen einigermaßen bekannt und akzeptiert sind, wird Schwangeren vor dem Mutterschutz nur eng begrenzter und Frauen vor und nach der Menopause bisher kein Raum für die auftretenden gesundheitlichen (und psychischen) Herausforderungen eingeräumt. Diese werden im Allgemeinen auf „Hitzewallungen“ reduziert, zeigen sich aber in der Realität zusätzlich zu diesen vasomotorischen Erscheinungen in ernsthaft depressiven Phasen, Angstgefühlen, Schlafstörungen (auch durch Hitze befördert), Gelenkschmerzen und weiteren Symptomen1. Dies alles in einer Lebensphase, in der sich nach Jahren der Erwerbs-, ggf. kombiniert mit Familienarbeit und der oft anstehenden oder bereits begonnenen Elternpflege oftmals sowieso Erschöpfung einstellt.
Erste Aktivitäten und Empfehlungen in der Öffentlichkeit sowie für Unternehmen zielen darauf ab, Frauen in den Wechseljahren leichteren Zugang zu gesundheitsfördernden Maßnahmen zu gewähren. Das ist erfreulich, trifft aber aus meiner persönlichen Sicht den Punkt noch nicht, denn betroffene Frauen können je nach Ausprägung der Symptome die Leistungserwartungen der Gesellschaft zeitweise einfach nicht erfüllen, und wenn sie noch so gesund leben. Der dringend benötigte gesellschaftliche Diskurs, dieser sensiblen Phase mehr Raum einzuräumen, steht noch aus: Frauen müssen improvisieren, sich durchkämpfen oder eben häufiger krankschreiben lassen – eine Situation, die weder für die Betroffenen selbst noch für Arbeitgeber*innen oder Kolleg*innen befriedigend ist und dringender Verbesserung bedarf.
Dass gesundheitsfördernde Maßnahmen in der Phase der hormonellen Umstellung nur einem Teil des Problems begegnen, soll aber nicht heißen, dass sie nicht nutzbringend sind, denn neben einem beschleunigten Abbau von Knochen und Muskulatur im weiblichen Körper nimmt u. a. auch das (stoffwechselgefährliche) viszerale Fett zu und die Insulinsensibilität verschlechtert sich – alles Faktoren, die „Alters-“ bzw. Zivilisationskrankheiten befördern. Diesen Abbauprozessen kann mit regelmäßiger aktivierender Bewegung und einer bewussten Ernährung entgegengewirkt werden. Der Artikel in unserem Special (ab S. M546) erläutert detailliert, welche Ernährungsaspekte für Frauen in den Wechseljahren bedeutend sind. Eine hilfreiche Zusammenfassung für alle Ernährungsfachkräfte, die mit der Zielgruppe der 40- bis 65-jährigen Frauen in Berührung kommen!
Viel Spaß beim Lesen (nicht nur) dieses Beitrags wünscht Ihnen
Ihre Sabine Schmidt
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1 DGGG, OEGGG, SGGG: Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. https://register.awmf.org/assets/guidelines/015-062l_S3_KF_Peri-Postmenopause-Diagnostik-Intervention_2018-11.pdf.
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2026 auf Seite M505.