Forschende der Universität Hamburg haben eine Studie veröffentlicht, in der sie mithilfe von Verhaltensmessungen, Eye-Tracking und computergestützten Modellierungen neue Einblicke in den kognitiven Entscheidungsprozess bei der Lebensmittelauswahl geben. Für die Studie wurden 70 Erwachsene aus Hamburg und Umgebung untersucht. Jede*r Teilnehmende durchlief zwei Versuchsschleifen – einmal hungrig, einmal gesättigt. Dabei wählten sie zwischen jeweils zwei Essensoptionen: einer gesünderen, aber weniger schmackhafteren, und einer ungesunden, aber dafür umso schmackhafteren Option. Beide Varianten waren mit dem Nutri-Score versehen. Mittels Eye-Tracking wurde erfasst, welche Informationen die Proband*innen beim Entscheiden besonders beachteten. Die Auswertung erfolgte mithilfe eines computergestützten Entscheidungsmodells, dem sog. multi-attribute attentional Drift Diffusion Model.

Die Ergebnisse zeigen, dass bereits im Normalzustand die meisten Studienteilnehmenden geschmacklich ansprechender präsentierte Lebensmittel bevorzugten. Im hungrigen Zustand wurde dieser Effekt deutlich verstärkt. Die Aufmerksamkeit wanderte eher zu den visuell und geschmacklich attraktiveren Optionen – während die Nährwertinformationen, etwa der Nutri-Score, seltener beachtet wurden. Gleichzeitig wurden Entscheidungen im hungrigen Zustand schneller getroffen.

Auf Basis der Ergebnisse legen die Autor*innen nahe, dass einfache Maßnahmen wie Nährwertkennzeichnungen allein möglicherweise nicht ausreichen, um gesunde Essensentscheidungen zu fördern – vor allem nicht bei hungrigen Menschen. Zukünftige gesundheitsfördernde Maßnahmen sollten deshalb besonders darauf abzielen, die Aufmerksamkeit stärker auf gesunde Aspekte zu lenken, etwa durch visuelle Hervorhebungen oder intelligente Platzierung in Supermärkten und Kantinen.

Literatur


1. March J, Gluth S: The hungry lens: hunger shifts attention and attribute weighting in dietary choice. Neuroscience 2025.

Quelle: Universität Hamburg, Pressemeldung vom 24.04.2025




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2025 auf Seite M332.


Warum greifen wir eher zu ungesundem Essen, wenn wir hungrig sind? Eine neue Studie von Forschenden der Universität Hamburg zeigt: Hunger beeinflusst nicht nur unsere Vorlieben, sondern auch, worauf wir bei Lebensmitteln im entscheidenden Moment achten. Informationen über Nährwert und Gesundheit treten bei der Essenswahl in den Hintergrund [1].








Forschende der Universität Hamburg haben eine Studie veröffentlicht, in der sie mithilfe von Verhaltensmessungen, Eye-Tracking und computergestützten Modellierungen neue Einblicke in den kognitiven Entscheidungsprozess bei der Lebensmittelauswahl geben. Für die Studie wurden 70 Erwachsene aus Hamburg und Umgebung untersucht. Jede*r Teilnehmende durchlief zwei Versuchsschleifen – einmal hungrig, einmal gesättigt. Dabei wählten sie zwischen jeweils zwei Essensoptionen: einer gesünderen, aber weniger schmackhafteren, und einer ungesunden, aber dafür umso schmackhafteren Option. Beide Varianten waren mit dem Nutri-Score versehen. Mittels Eye-Tracking wurde erfasst, welche Informationen die Proband*innen beim Entscheiden besonders beachteten. Die Auswertung erfolgte mithilfe eines computergestützten Entscheidungsmodells, dem sog. multi-attribute attentional Drift Diffusion Model.

Die Ergebnisse zeigen, dass bereits im Normalzustand die meisten Studienteilnehmenden geschmacklich ansprechender präsentierte Lebensmittel bevorzugten. Im hungrigen Zustand wurde dieser Effekt deutlich verstärkt. Die Aufmerksamkeit wanderte eher zu den visuell und geschmacklich attraktiveren Optionen – während die Nährwertinformationen, etwa der Nutri-Score, seltener beachtet wurden. Gleichzeitig wurden Entscheidungen im hungrigen Zustand schneller getroffen.

Auf Basis der Ergebnisse legen die Autor*innen nahe, dass einfache Maßnahmen wie Nährwertkennzeichnungen allein möglicherweise nicht ausreichen, um gesunde Essensentscheidungen zu fördern – vor allem nicht bei hungrigen Menschen. Zukünftige gesundheitsfördernde Maßnahmen sollten deshalb besonders darauf abzielen, die Aufmerksamkeit stärker auf gesunde Aspekte zu lenken, etwa durch visuelle Hervorhebungen oder intelligente Platzierung in Supermärkten und Kantinen.

Literatur


1. March J, Gluth S: The hungry lens: hunger shifts attention and attribute weighting in dietary choice. Neuroscience 2025.

Quelle: Universität Hamburg, Pressemeldung vom 24.04.2025




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2025 auf Seite M332.


Ernährungsverhalten: Wenn Hunger die Wahrnehmung steuert

Forschende der Universität Hamburg haben eine Studie veröffentlicht, in der sie mithilfe von Verhaltensmessungen, Eye-Tracking und computergestützten Modellierungen neue Einblicke in den kognitiven Entscheidungsprozess bei der Lebensmittelauswahl geben. Für die Studie wurden 70 Erwachsene aus Hamburg und Umgebung untersucht. Jede*r Teilnehmende durchlief zwei Versuchsschleifen – einmal hungrig, einmal gesättigt. Dabei wählten sie zwischen jeweils zwei Essensoptionen: einer gesünderen, aber weniger schmackhafteren, und einer ungesunden, aber dafür umso schmackhafteren Option. Beide Varianten waren mit dem Nutri-Score versehen. Mittels Eye-Tracking wurde erfasst, welche Informationen die Proband*innen beim Entscheiden besonders beachteten. Die Auswertung erfolgte mithilfe eines computergestützten Entscheidungsmodells, dem sog. multi-attribute attentional Drift Diffusion Model.

Die Ergebnisse zeigen, dass bereits im Normalzustand die meisten Studienteilnehmenden geschmacklich ansprechender präsentierte Lebensmittel bevorzugten. Im hungrigen Zustand wurde dieser Effekt deutlich verstärkt. Die Aufmerksamkeit wanderte eher zu den visuell und geschmacklich attraktiveren Optionen – während die Nährwertinformationen, etwa der Nutri-Score, seltener beachtet wurden. Gleichzeitig wurden Entscheidungen im hungrigen Zustand schneller getroffen.

Auf Basis der Ergebnisse legen die Autor*innen nahe, dass einfache Maßnahmen wie Nährwertkennzeichnungen allein möglicherweise nicht ausreichen, um gesunde Essensentscheidungen zu fördern – vor allem nicht bei hungrigen Menschen. Zukünftige gesundheitsfördernde Maßnahmen sollten deshalb besonders darauf abzielen, die Aufmerksamkeit stärker auf gesunde Aspekte zu lenken, etwa durch visuelle Hervorhebungen oder intelligente Platzierung in Supermärkten und Kantinen.

Literatur

1. March J, Gluth S: The hungry lens: hunger shifts attention and attribute weighting in dietary choice. Neuroscience 2025.

Quelle: Universität Hamburg, Pressemeldung vom 24.04.2025


Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2025 auf Seite M332.
Verschlagwortet mit: Gesundheit, Hunger

News zum Thema des Artikels

Zwei Personen sitzen sich gegenüber und führen ein Gespräch – symbolisiert eine Beratungssituation.

Lesetipp Heft 3/2026: Einsatz psychologischer Methoden in Ernährungsberatung und -therapie

Die Psychologie ist ein oft entscheidender Bestandteil moderner Ernährungsberatungen. Der aktuelle Fortbildungsbeitrag gibt einen Überblick über psychologische Methoden, deren Ziel es ist, zentrale Beratungsziele zu erreichen …
weiterlesen

Zerbrochener Teller

Lesetipp Heft 3/2026: Essstörungen verstehen und behandeln

Essstörungen gehören zu den häufigsten psychosomatischen Erkrankungen. Ein aktueller Überblick zeigt: Die Ursachen sind komplex und die Behandlung erfordert ein multiprofessionelles Vorgehen …
weiterlesen

5 Grafiken von Menschen in unetrschiedlichen Essumgebungen

Lesetipp Heft 2/2026: Wie Ernährungsumgebungen in grafischen Modellen dargestellt werden

Das Konzept der Ernährungsumgebungen versucht die verschieden Einflussebenen auf das individuelle Ernährungsverhalten zu verdeutlichen. Der Special Beitrag stellt verschiedene Modelle mit ihren Stärken und Limitationen für Public Health-Aufgaben vor …
weiterlesen

Artikelfakten

Veröffentlicht: 11.06.2025

Themen des Artikels

Dieser Artikel erscheint in

Artikel teilen

Weitere Artikel zum Thema

15.12.2025

Ernährungsverhalten: Gesunde Ernährung für Kinder und Jugendliche

Für viele Familien ist es eine Herausforderung, eine gesunde Ernährung in ihrem Alltag konsequent umzusetzen – selbst, wenn ihnen die Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung bekannt sind. Gründe dafür sind laut einer aktuellen Studie des Instituts für Kinderernährun … weiterlesen

12.11.2025

Medienumschau 11/2025

Integrative Ernährungspsychologie. Psychologie und Therapie des Essverhaltens Mit ‚Integrative Ernährungspsychologie‘ legt Cornelia Fiechtl ein fundiertes und zugleich praxisnahes Fachbuch vor, das die psychologischen Dimensionen des Essverhaltens integrativ, beratungsr … weiterlesen

15.10.2025

Junge Forschung: Ernährungsverhalten im Rettungsdienst

Auswirkungen von medizinischem Fachwissen von Mitarbeitenden des Rettungsdienstes auf das Ernährungsverhalten weiterlesen

14.05.2025

Tagungsbericht: Soziale Ungleichheit und Ernährung

(umk) Essen und Trinken wollen und müssen wir alle, darin sind alle Menschen gleich. Wenn wir jedoch die Ressourcen und Rahmenbedingungen anschauen, unter denen Menschen essen und trinken, sind wir mitten im Thema Ungleichheit. Das Totalphänomen Ernährung ist – gewollt … weiterlesen

15.04.2025

Ernährungsverhalten Sportstudierender in Karlsruhe

free access to english version + eSupplement Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 09.05.2024; Überarbeitung angenommen: 26.09.2024 Eine empirische Untersuchung zu den Ernährungsstilen, Ernährungsmotiven und der selbsteingeschätzten körperlich- … weiterlesen

15.04.2025

Depressionen: Ernährungsvorlieben von depressiven Personen

Von Depressionen sind rund 9,5 Mio. Menschen (12,5 %) in Deutschland betroffen [1]. Die Erkrankung führt erwiesenermaßen zu verändertem Essverhalten. Forschende des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und der Universität Bonn sowie des Universitätsklinikums Tübingen konnte … weiterlesen

Ernährungsberatung: Fünf Ebenen der beraterischen Intervention

Was heißt es, Patient*innen oder Klient*innen in der Ernährungsberatung bei der gezielten Anpassung ihres Essverhaltens zu unterstützen? Dazu ist in aller Regel mehr nötig als Empfehlungen zu erarbeiten und diese dem Gegenüber mitzuteilen. Der vorliegende Text folgt dem … weiterlesen

12.02.2025

Heidelberger Ernährungsforum: Die ersten 1000 Tage. Frühstart in eine gesunde Ernährung – Perspektiven und Positionen

(ck) Mit Blick auf Primärprävention in der frühen Kindheit wurde vom 14.–15. November 2024 beim 28. Heidelberger Ernährungsforum ein Bogen gespannt von präkonzeptioneller und fetaler Programmierung über aktuelle Informationen zur (früh-)kindlichen Ernährung, Risiken und … weiterlesen