Peer-Review-Verfahren
Manuskript (Original) eingereicht: 01.12.2025; Überarbeitung angenommen: 20.03.2026
Eine Analyse deutschsprachiger Ernährungs- und Fitness-Influencer*innen auf YouTube
Einleitung und Relevanz
Im Zuge der Digitalisierung hat sich die Ernährungs- und Fitnesskommunikation zunehmend um soziale Medien erweitert. Plattformen wie YouTube, Instagram oder TikTok dienen dabei heute nicht nur der reinen Unterhaltung, sondern sind für viele Menschen zentrale Informationsquellen zu verschiedenen Themen, darunter zunehmend Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel und Trainingsstrategien [1]. Aktuelle repräsentative Befragungsdaten zeigen, dass soziale Medien insbesondere bei der ernährungsbezogenen Informationssuche eine wachsende Rolle spielen und von einem erheblichen Teil der Nutzer*innen als relevant eingeschätzt werden [2]. Insbesondere Ernährungs- und Fitnessinfluencer*innen spielen dabei eine wichtige Rolle und erreichen u. a. durch Nahbarkeit, starke Präsenz und leichte Sprache mit ihren Inhalten ein Millionenpublikum [3]. Häufig steht hinter ihren Inhalten ein wirtschaftliches Interesse und sie agieren dabei unter dem Label „evidenzbasiert“ oder „wissenschaftlich fundiert“ (science-based), um dadurch die Glaubwürdigkeit ihrer Informationen zu belegen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass gerade im Bereich der Ernährungskommunikation Fehl- und Desinformationen besonders weit verbreitet sind, etwa durch undifferenzierte Aussagen zur Wirksamkeit bestimmter Nahrungsergänzungsmittel oder vermeintlicher Evidenzbasierung von Ernährungsempfehlungen [4–6]. So zeigt u. a. ein aktueller foodwatch-Report, dass irreführende Gesundheitswerbung für Nahrungsergänzungsmittel in den sozialen Medien weit verbreitet und so für Nutzer*innen oft kaum als solche erkennbar ist [7].
Der Informationsbedarf im Bereich Ernährung und Fitness ist demnach hoch. Eine als optimal wahrgenommene Ernährung und eine gute körperliche Leistungsfähigkeit gelten für die Mehrheit der Menschen als erstrebenswert und als Ausdruck von Kontrolle und Gesundheit. Wenn also Ernährungs- und Trainingsempfehlungen in den sozialen Medien mit wissenschaftlichem Anspruch kommuniziert werden, kann dies die Glaubwürdigkeit von Aussagen (scheinbar) erhöhen. Allerdings fehlt es in der Praxis nicht selten an Quellenangaben, methodischer Transparenz oder einer kritischen Einordnung der Evidenzlage [8, 9]. Dies ist vor dem Hintergrund der begrenzten Gesundheits- und Ernährungskompetenz vieler Konsument*innen besonders problematisch. …
Abstract
Soziale Medien haben sich zu zentralen Informationsquellen in den Bereichen Ernährung und Fitness entwickelt. Influencer*innen nutzen entsprechende Plattformen unter dem Begriff „science-based“, um ihren Inhalten wissenschaftliche Legitimität zu verleihen. Die vorliegende Studie analysiert die Kommunikation, Transparenz und Verständlichkeit solcher Inhalte systematisch anhand wissenschaftlicher Kriterien. Untersucht wurden 48 Videos von acht reichweitenstarken deutschsprachigen Ernährungs- und Fitnessinfluencer*innen auf YouTube. Eine Clusteranalyse identifiziert drei Kommunikationsprofile: 1) Popularisierer*innen & Performer*innen, 2) transparente Kommunikator*innen und 3) wissenschaftlich fundierte Kommunikator*innen. Es zeigt sich ein Spannungsverhältnis zwischen Reichweitenorientierung und
wissenschaftlicher Integrität. Für eine qualitätsgesicherte Gesundheitskommunikation in sozialen Medien sollten wissenschaftliche Standards, ethische Transparenz und Verbraucherschutz stärker miteinander verknüpft werden.
Den vollständigen Artikel finden Sie bald auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 11/2026.