Das Portfolio der modernen Lebensmittelverfahrenstechnik kennt viele weitere Möglichkeiten einer noch stärkeren (Ultra-) Fraktionierung zur Gewinnung isolierter Lebensmittelkomponenten mit gesteigerter Funktionalität und natürlich höherer Wertschöpfung. Für die so abgetrennten Hauptkomponenten – die Öle und Fette, Zucker, Mehle und Stärke oder für die Milch-Caseine in Form von Käse – gibt es reichlich Absatzmöglichkeiten. Und auch viele der anfallenden Nebenkomponenten landen irgendwann als Zutaten in Lebensmitteln.

So wird versucht, einmal erzeugte Grundnahrungsmittel hundertprozentig und möglichst gewinnmaximiert zu verwerten. Bei Schlachttieren und den Getreiden gelingt das schon ganz gut. Probleme mit der optimalen Verwertung bestehen eher bei den Proteinen, die z. B. bei der Gewinnung von Baumwollsamen-, Erdnuss-, Raps-, Sonnenblumen- und Sojaöl anfallen oder aber bei den Molkenproteinpulverbergen, die bei der Käseherstellung übrigbleiben.

Da die Entsorgung über das Tierfutter zwar sinnvoll, aber finanziell weniger attraktiv ist, werden direktere Wege in die Humanernährung gesucht. Nur leider herrscht bei uns dank ausreichendem Proteinangebot nirgends mehr ein Proteinmangel! Da bedarf es schon besonderer Marketinganstrengungen, um noch mehr Protein in unsere Mägen zu drücken. Zum Glück sind Leistungs- und KraftsportlerInnen dank einfacher Botschaften wie „Muskelwachstum braucht Protein“ leicht zu überzeugen, zusätzlich zur normalen Nahrung jede Menge konzentrierter Proteinsupplemente zu schlucken. Waren es anfänglich meist vanillinierte und süßstoffgesüßte Molkenproteinpulver, finden sich inzwischen aus allen o. g. Ölpressrückständen extrahierte Proteine in den kraftstrotzenden Pulverdosen. Pfiffige Hersteller bieten für besonders trendige KonsumentInnen inzwischen auch pulverisierte Insektenproteine, Lupinen- und Erbsenproteinisolate an – alles Produkte, die kaum jemand braucht; nicht einmal ambitionierte KraftsportlerInnen.

Inzwischen scheint der Eiweißhype auch unser Müsli und täglich Brot und den Jogurt zu befallen: Alltägliche Lebensmittel werden mit überflüssig-überschüssigen Proteinen angereichert, als Muskelbooster und Fettkiller mit einem „Fit-schlank-gesund“-Werbesprechen vermarktet. Bleibt zu befürchten, dass ZeitgenossInnen bei geschlossenen Fitnessstudios versuchen könnten, die mühsam antrainierte Muskelmasse durch tägliche Extraportionen zu erhalten. Da genehmige ich mir dann doch lieber einen Nachschlag meiner geliebten Haferflocken.

Bleiben Sie gesund und kritisch!

Ihr Helmut Heseker




Diesen Artikel finden Sie wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 5/2020 auf Seite M312.


Ein Grundprinzip der Lebensmittelverarbeitung um schmackhafte Produkte herzustellen, ist die mechanische oder chemische Auftrennung von Lebensmitteln in ihre Bestandteile. So werden bspw. Weizenkörner in Weißmehl, Kleie und Keimöl oder Milch in Milchfett, Caseine, Molkenproteine und Laktose aufgetrennt.


Das Portfolio der modernen Lebensmittelverfahrenstechnik kennt viele weitere Möglichkeiten einer noch stärkeren (Ultra-) Fraktionierung zur Gewinnung isolierter Lebensmittelkomponenten mit gesteigerter Funktionalität und natürlich höherer Wertschöpfung. Für die so abgetrennten Hauptkomponenten – die Öle und Fette, Zucker, Mehle und Stärke oder für die Milch-Caseine in Form von Käse – gibt es reichlich Absatzmöglichkeiten. Und auch viele der anfallenden Nebenkomponenten landen irgendwann als Zutaten in Lebensmitteln.

So wird versucht, einmal erzeugte Grundnahrungsmittel hundertprozentig und möglichst gewinnmaximiert zu verwerten. Bei Schlachttieren und den Getreiden gelingt das schon ganz gut. Probleme mit der optimalen Verwertung bestehen eher bei den Proteinen, die z. B. bei der Gewinnung von Baumwollsamen-, Erdnuss-, Raps-, Sonnenblumen- und Sojaöl anfallen oder aber bei den Molkenproteinpulverbergen, die bei der Käseherstellung übrigbleiben.

Da die Entsorgung über das Tierfutter zwar sinnvoll, aber finanziell weniger attraktiv ist, werden direktere Wege in die Humanernährung gesucht. Nur leider herrscht bei uns dank ausreichendem Proteinangebot nirgends mehr ein Proteinmangel! Da bedarf es schon besonderer Marketinganstrengungen, um noch mehr Protein in unsere Mägen zu drücken. Zum Glück sind Leistungs- und KraftsportlerInnen dank einfacher Botschaften wie „Muskelwachstum braucht Protein“ leicht zu überzeugen, zusätzlich zur normalen Nahrung jede Menge konzentrierter Proteinsupplemente zu schlucken. Waren es anfänglich meist vanillinierte und süßstoffgesüßte Molkenproteinpulver, finden sich inzwischen aus allen o. g. Ölpressrückständen extrahierte Proteine in den kraftstrotzenden Pulverdosen. Pfiffige Hersteller bieten für besonders trendige KonsumentInnen inzwischen auch pulverisierte Insektenproteine, Lupinen- und Erbsenproteinisolate an – alles Produkte, die kaum jemand braucht; nicht einmal ambitionierte KraftsportlerInnen.

Inzwischen scheint der Eiweißhype auch unser Müsli und täglich Brot und den Jogurt zu befallen: Alltägliche Lebensmittel werden mit überflüssig-überschüssigen Proteinen angereichert, als Muskelbooster und Fettkiller mit einem „Fit-schlank-gesund“-Werbesprechen vermarktet. Bleibt zu befürchten, dass ZeitgenossInnen bei geschlossenen Fitnessstudios versuchen könnten, die mühsam antrainierte Muskelmasse durch tägliche Extraportionen zu erhalten. Da genehmige ich mir dann doch lieber einen Nachschlag meiner geliebten Haferflocken.

Bleiben Sie gesund und kritisch!

Ihr Helmut Heseker




Diesen Artikel finden Sie wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 5/2020 auf Seite M312.


Nachschlag: Wohin nur mit den Proteinen?

Das Portfolio der modernen Lebensmittelverfahrenstechnik kennt viele weitere Möglichkeiten einer noch stärkeren (Ultra-) Fraktionierung zur Gewinnung isolierter Lebensmittelkomponenten mit gesteigerter Funktionalität und natürlich höherer Wertschöpfung. Für die so abgetrennten Hauptkomponenten – die Öle und Fette, Zucker, Mehle und Stärke oder für die Milch-Caseine in Form von Käse – gibt es reichlich Absatzmöglichkeiten. Und auch viele der anfallenden Nebenkomponenten landen irgendwann als Zutaten in Lebensmitteln.

So wird versucht, einmal erzeugte Grundnahrungsmittel hundertprozentig und möglichst gewinnmaximiert zu verwerten. Bei Schlachttieren und den Getreiden gelingt das schon ganz gut. Probleme mit der optimalen Verwertung bestehen eher bei den Proteinen, die z. B. bei der Gewinnung von Baumwollsamen-, Erdnuss-, Raps-, Sonnenblumen- und Sojaöl anfallen oder aber bei den Molkenproteinpulverbergen, die bei der Käseherstellung übrigbleiben.

Da die Entsorgung über das Tierfutter zwar sinnvoll, aber finanziell weniger attraktiv ist, werden direktere Wege in die Humanernährung gesucht. Nur leider herrscht bei uns dank ausreichendem Proteinangebot nirgends mehr ein Proteinmangel! Da bedarf es schon besonderer Marketinganstrengungen, um noch mehr Protein in unsere Mägen zu drücken. Zum Glück sind Leistungs- und KraftsportlerInnen dank einfacher Botschaften wie „Muskelwachstum braucht Protein“ leicht zu überzeugen, zusätzlich zur normalen Nahrung jede Menge konzentrierter Proteinsupplemente zu schlucken. Waren es anfänglich meist vanillinierte und süßstoffgesüßte Molkenproteinpulver, finden sich inzwischen aus allen o. g. Ölpressrückständen extrahierte Proteine in den kraftstrotzenden Pulverdosen. Pfiffige Hersteller bieten für besonders trendige KonsumentInnen inzwischen auch pulverisierte Insektenproteine, Lupinen- und Erbsenproteinisolate an – alles Produkte, die kaum jemand braucht; nicht einmal ambitionierte KraftsportlerInnen.

Inzwischen scheint der Eiweißhype auch unser Müsli und täglich Brot und den Jogurt zu befallen: Alltägliche Lebensmittel werden mit überflüssig-überschüssigen Proteinen angereichert, als Muskelbooster und Fettkiller mit einem „Fit-schlank-gesund“-Werbesprechen vermarktet. Bleibt zu befürchten, dass ZeitgenossInnen bei geschlossenen Fitnessstudios versuchen könnten, die mühsam antrainierte Muskelmasse durch tägliche Extraportionen zu erhalten. Da genehmige ich mir dann doch lieber einen Nachschlag meiner geliebten Haferflocken.

Bleiben Sie gesund und kritisch!

Ihr Helmut Heseker


Diesen Artikel finden Sie wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 5/2020 auf Seite M312.

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Rubrik: Service
Veröffentlicht: 13.05.2020

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