Obst vorportioniert anzubieten kann ein einfacher Nudge sein. © CentralITAlliance/iStock/Getty Images Plus

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Das Interesse an Nudging (engl. für anstupsen) und darauf basierenden Maßnahmen ist in den letzten Jahren stark gestiegen und wird weltweit von Unternehmen und auf politischer Ebene eingesetzt, um Menschen zu bestimmten Entscheidungen zu bewegen.

In der Ernährung kann Nudging angewendet werden, um das Ernährungsverhalten in eine gesundheitsfördernde Richtung zu lenken, ohne die Möglichkeiten des Individuums einzuschränken. Aber was halten die Menschen von Nudging? Wirkt es sich auf ihre Akzeptanz aus, wie solche Anstöße gestaltet sind? Forschende der Universitäten Göttingen und Bonn untersuchten die Einflussnahme von Nudging auf die Ernährung und dessen Akzeptanz. An der Online-Erhebung nahmen 451 Erwachsene teil [1].

Den Teilnehmenden wurden dabei fünf Nudging-Szenarien vorgestellt. Jedes Szenario gab es in zwei Varianten, die in einem Aspekt unterschiedlich gestaltet waren. Menschen können z. B. zu einer bestimmten Wahl geführt werden, indem diese als Standard gesetzt wird. Das ist der Fall, wenn sich Gäste bei einem Büffet die Butter nicht einfach nehmen können, sondern das Servicepersonal bitten müssen, ihnen Butter auszuhändigen. Zunächst sollten die Teilnehmenden ihr typisches Verhalten in der jeweiligen Situation angeben, etwa ob sie bei einem Büffet normalerweise Butter essen würden. Dann beantworteten sie zu jeder Situation Fragen, u. a. wie stark das eingesetzte Nudging in ihre Wahlfreiheit eingegriffen habe, wie akzeptabel dieser Eingriff war und wie wirksam er ihrer Meinung nach ist. Die Ergebnisse zeigen: Die Akzeptanz ist größer, je weniger aufwändig es erscheint, sich gegen die vorgeschlagene Option zu entscheiden. Das trifft z. B. zu, wenn Menschen vegetarische Gerichte auf den ersten und Fleischgerichte auf den hinteren Seiten einer Speisekarte finden, anstatt nur eine vegetarische Speisekarte zu erhalten und das Angebot an Fleischgerichten aktiv erfragen zu müssen. Zudem wird Nudging besser akzeptiert, wenn es transparent ist. So war die Akzeptanz bei den Teilnehmenden höher, wenn sie beim Online-Einkauf zunächst gefragt wurden, ob sie einen vorgefüllten „klimafreundlichen“ Warenkorb erhalten möchten, als wenn dieser standardmäßig, ohne vorheriges Erfragen, eingesetzt wird.

Fazit: Der wichtigste Faktor für die Akzeptanz von Nudging sind Wahlfreiheit und Wirksamkeit.

Literatur


1. Lemken D, Wahnschafft S, Eggers C: Public acceptance of default nudges to promote healthy and sustainable food choices. BMC Public Health 2023; 23: 2311.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen, Pressemeldung vom 14.02.2024




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 5/2024 auf Seite M253.






Obst vorportioniert anzubieten kann ein einfacher Nudge sein. © CentralITAlliance/iStock/Getty Images Plus

Obst vorportioniert anzubieten kann ein einfacher Nudge sein. © CentralITAlliance/iStock/Getty Images Plus





Das Interesse an Nudging (engl. für anstupsen) und darauf basierenden Maßnahmen ist in den letzten Jahren stark gestiegen und wird weltweit von Unternehmen und auf politischer Ebene eingesetzt, um Menschen zu bestimmten Entscheidungen zu bewegen.

In der Ernährung kann Nudging angewendet werden, um das Ernährungsverhalten in eine gesundheitsfördernde Richtung zu lenken, ohne die Möglichkeiten des Individuums einzuschränken. Aber was halten die Menschen von Nudging? Wirkt es sich auf ihre Akzeptanz aus, wie solche Anstöße gestaltet sind? Forschende der Universitäten Göttingen und Bonn untersuchten die Einflussnahme von Nudging auf die Ernährung und dessen Akzeptanz. An der Online-Erhebung nahmen 451 Erwachsene teil [1].

Den Teilnehmenden wurden dabei fünf Nudging-Szenarien vorgestellt. Jedes Szenario gab es in zwei Varianten, die in einem Aspekt unterschiedlich gestaltet waren. Menschen können z. B. zu einer bestimmten Wahl geführt werden, indem diese als Standard gesetzt wird. Das ist der Fall, wenn sich Gäste bei einem Büffet die Butter nicht einfach nehmen können, sondern das Servicepersonal bitten müssen, ihnen Butter auszuhändigen. Zunächst sollten die Teilnehmenden ihr typisches Verhalten in der jeweiligen Situation angeben, etwa ob sie bei einem Büffet normalerweise Butter essen würden. Dann beantworteten sie zu jeder Situation Fragen, u. a. wie stark das eingesetzte Nudging in ihre Wahlfreiheit eingegriffen habe, wie akzeptabel dieser Eingriff war und wie wirksam er ihrer Meinung nach ist. Die Ergebnisse zeigen: Die Akzeptanz ist größer, je weniger aufwändig es erscheint, sich gegen die vorgeschlagene Option zu entscheiden. Das trifft z. B. zu, wenn Menschen vegetarische Gerichte auf den ersten und Fleischgerichte auf den hinteren Seiten einer Speisekarte finden, anstatt nur eine vegetarische Speisekarte zu erhalten und das Angebot an Fleischgerichten aktiv erfragen zu müssen. Zudem wird Nudging besser akzeptiert, wenn es transparent ist. So war die Akzeptanz bei den Teilnehmenden höher, wenn sie beim Online-Einkauf zunächst gefragt wurden, ob sie einen vorgefüllten „klimafreundlichen“ Warenkorb erhalten möchten, als wenn dieser standardmäßig, ohne vorheriges Erfragen, eingesetzt wird.

Fazit: Der wichtigste Faktor für die Akzeptanz von Nudging sind Wahlfreiheit und Wirksamkeit.

Literatur


1. Lemken D, Wahnschafft S, Eggers C: Public acceptance of default nudges to promote healthy and sustainable food choices. BMC Public Health 2023; 23: 2311.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen, Pressemeldung vom 14.02.2024




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 5/2024 auf Seite M253.


Nudging: Wollen sich Menschen zu gesunder Ernährung anhalten lassen?

Obst vorportioniert anzubieten kann ein einfacher Nudge sein. © CentralITAlliance/iStock/Getty Images Plus

Obst vorportioniert anzubieten kann ein einfacher Nudge sein. © CentralITAlliance/iStock/Getty Images Plus

Das Interesse an Nudging (engl. für anstupsen) und darauf basierenden Maßnahmen ist in den letzten Jahren stark gestiegen und wird weltweit von Unternehmen und auf politischer Ebene eingesetzt, um Menschen zu bestimmten Entscheidungen zu bewegen.

In der Ernährung kann Nudging angewendet werden, um das Ernährungsverhalten in eine gesundheitsfördernde Richtung zu lenken, ohne die Möglichkeiten des Individuums einzuschränken. Aber was halten die Menschen von Nudging? Wirkt es sich auf ihre Akzeptanz aus, wie solche Anstöße gestaltet sind? Forschende der Universitäten Göttingen und Bonn untersuchten die Einflussnahme von Nudging auf die Ernährung und dessen Akzeptanz. An der Online-Erhebung nahmen 451 Erwachsene teil [1].

Den Teilnehmenden wurden dabei fünf Nudging-Szenarien vorgestellt. Jedes Szenario gab es in zwei Varianten, die in einem Aspekt unterschiedlich gestaltet waren. Menschen können z. B. zu einer bestimmten Wahl geführt werden, indem diese als Standard gesetzt wird. Das ist der Fall, wenn sich Gäste bei einem Büffet die Butter nicht einfach nehmen können, sondern das Servicepersonal bitten müssen, ihnen Butter auszuhändigen. Zunächst sollten die Teilnehmenden ihr typisches Verhalten in der jeweiligen Situation angeben, etwa ob sie bei einem Büffet normalerweise Butter essen würden. Dann beantworteten sie zu jeder Situation Fragen, u. a. wie stark das eingesetzte Nudging in ihre Wahlfreiheit eingegriffen habe, wie akzeptabel dieser Eingriff war und wie wirksam er ihrer Meinung nach ist. Die Ergebnisse zeigen: Die Akzeptanz ist größer, je weniger aufwändig es erscheint, sich gegen die vorgeschlagene Option zu entscheiden. Das trifft z. B. zu, wenn Menschen vegetarische Gerichte auf den ersten und Fleischgerichte auf den hinteren Seiten einer Speisekarte finden, anstatt nur eine vegetarische Speisekarte zu erhalten und das Angebot an Fleischgerichten aktiv erfragen zu müssen. Zudem wird Nudging besser akzeptiert, wenn es transparent ist. So war die Akzeptanz bei den Teilnehmenden höher, wenn sie beim Online-Einkauf zunächst gefragt wurden, ob sie einen vorgefüllten „klimafreundlichen“ Warenkorb erhalten möchten, als wenn dieser standardmäßig, ohne vorheriges Erfragen, eingesetzt wird.

Fazit: Der wichtigste Faktor für die Akzeptanz von Nudging sind Wahlfreiheit und Wirksamkeit.

Literatur

1. Lemken D, Wahnschafft S, Eggers C: Public acceptance of default nudges to promote healthy and sustainable food choices. BMC Public Health 2023; 23: 2311.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen, Pressemeldung vom 14.02.2024


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Veröffentlicht: 15.05.2024

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