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Warum? Eine naheliegende Idee ist, dass die Entscheidungsträger selbst genussfreudig oder konfliktbeladen, dick oder dünn, Raucher und Nichtraucher sind. Die Einmischung in die Privatsphäre, zu der das Essen genauso gehört wie (riskante) Hobbys, die Wahl einer (überfordernden) Arbeitsstelle oder (unglückliche) Liebesbeziehungen, wird aber von den meisten im Innersten abgelehnt. Ein Werbeverbot für Süßigkeiten? Ja. Ein Verbot von Süßigkeiten? Nein. Diese Ablehnung eines von außen aufgedrückten Verhaltensdiktats ist menschlich und schützenswert. Dies fühlen auch Politiker und zögern.
Ein zweiter Grund könnte sein, dass die Elite der Gesundheitswissenschaftler zwar denkt, ihr Gesundheitsfokus sei richtig und logisch, die Bevölkerung diese Meinung aber nicht zwangsläufig teilt. Gesundheit ist nur ein Motiv unter vielen und meist erst dann ein Primärbedürfnis, wenn sie abhandenkommt. Anhaltend gibt es soziologische, pädagogische und psychologische Forschung, die Sturm läuft gegen das „Diktat“ der Gesundheit, es u. a. als unser protestantisches Erbe bezeichnet – die Moral von der Mäßigung. Ist es uns wirklich mehr Wert, Menschen „normalgewichtig“ zu machen, als die Unterschiede zwischen Reichen und Armen zu verringern? Es fällt auf: Die Gesellschaft ist sich überhaupt nicht im Klaren, ob das „Übergewicht“ tatsächlich ein Problem ist, das „bekämpft“ werden muss, und inwieweit sich „der Tsunami“ der Adipositas eigentlich bekämpfen lässt (ein furchtbarer Vergleich, der trotzdem oft gebraucht wird). Diese offenen Fragen müssen geklärt werden, noch vor der wirklich wichtigen Diskussion, wie wir die Politik dazu bewegen können, verhältnisgestaltende Maßnahmen zum Nutzen aller Bürger-/innen als selbstverständlichen Wert deutscher Politik durchzusetzen.