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EW ist eine biopsychosoziale Multidisziplin, die gut geeignet ist, zur Lösung von lebensweltlichen Problemen beizutragen, da diese durch eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Faktoren verursacht werden. EW ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch keine Interdisziplin. Im Gegensatz zu einer Multidisziplin weist eine Interdisziplin zusätzliche Theorien auf, die die einzelnen Teildisziplinen miteinander vereint. Eine echte Interdisziplin ist bspw. die evolutionäre Entwicklungsbiologie. Sie vereint u. a. Entwicklungsbiologie mit Ökologie [9-11].
In diesem Beitrag wird aufgezeigt, dass die gegenwärtige biowissenschaftliche Ernährungswissenschaft (EW) durch eine starke Anwendungsorientierung, ein Theoriendefizit, das Fehlen von grundsätzlichen Fragen und die Überbetonung der molekularen Ansätze gekennzeichnet ist. Es wird die These vertreten, dass diese konzeptionellen Schwierigkeiten der EW verbessert werden könnten, wenn die Gesetzmäßigkeiten der Wechselwirkungen zwischen Organismus und Ernährung hauptsächlich auf der Ebene des gesamten Organismus erforscht werden. Dieser systembiologische, ökologische und evolutionsbiologische Ansatz wird von der Ernährungsbiologie bevorzugt. Diese vernachlässigte Basis-Disziplin der EW hat das Ziel, möglichst allgemeingültige ernährungsbiologische Gesetzesaussagen zu erarbeiten, die für möglichst viele Lebewesen einschließlich des Menschen Gültigkeit haben. Die ernährungsbiologische Konzeption der Geometrie der Ernährung dürfte in diesem Zusammenhang wegweisend sein. Auch für die Lehre ist die Ernährungsbiologie geeignet, um den Studierenden der EW ein nachhaltiges theoretisches Fundament zu vermitteln.
Schlüsselwörter: Ernährungsbiologie, Organismus-Umwelt-Interaktion, Reduktionismus, Ernährungswissenschaft