Einleitung


Wissenschaftsphilosophie bzw. das Nachdenken über die eigene Disziplin ist ein wichtiger Bestandteil einer aufgeklärten Wissenschaft. In der Ernährungswissenschaft (EW) wurden hierzu bereits einige Analysen vorgelegt [1–8]. Wie an anderer Stelle dargelegt [5–7], handelt es sich bei der EW um eine Disziplin, die die Ernährung aus biologischer, psychologischer und soziologischer Perspektive analysiert.


EW ist eine biopsychosoziale Multidisziplin, die gut geeignet ist, zur Lösung von lebensweltlichen Problemen beizutragen, da diese durch eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Faktoren verursacht werden. EW ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch keine Interdisziplin. Im Gegensatz zu einer Multidisziplin weist eine Interdisziplin zusätzliche Theorien auf, die die einzelnen Teildisziplinen miteinander vereint. Eine echte Interdisziplin ist bspw. die evolutionäre Entwicklungsbiologie. Sie vereint u. a. Entwicklungsbiologie mit Ökologie [9-11].

Zusammenfassung


In diesem Beitrag wird aufgezeigt, dass die gegenwärtige biowissenschaftliche Ernährungswissenschaft (EW) durch eine starke Anwendungsorientierung, ein Theoriendefizit, das Fehlen von grundsätzlichen Fragen und die Überbetonung der molekularen Ansätze gekennzeichnet ist. Es wird die These vertreten, dass diese konzeptionellen Schwierigkeiten der EW verbessert werden könnten, wenn die Gesetzmäßigkeiten der Wechselwirkungen zwischen Organismus und Ernährung hauptsächlich auf der Ebene des gesamten Organismus erforscht werden. Dieser systembiologische, ökologische und evolutionsbiologische Ansatz wird von der Ernährungsbiologie bevorzugt. Diese vernachlässigte Basis-Disziplin der EW hat das Ziel, möglichst allgemeingültige ernährungsbiologische Gesetzesaussagen zu erarbeiten, die für möglichst viele Lebewesen einschließlich des Menschen Gültigkeit haben. Die ernährungsbiologische Konzeption der Geometrie der Ernährung dürfte in diesem Zusammenhang wegweisend sein. Auch für die Lehre ist die Ernährungsbiologie geeignet, um den Studierenden der EW ein nachhaltiges theoretisches Fundament zu vermitteln.

Schlüsselwörter: Ernährungsbiologie, Organismus-Umwelt-Interaktion, Reduktionismus, Ernährungswissenschaft




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 05/16 von Seite M280 bis M283.




Einleitung


Wissenschaftsphilosophie bzw. das Nachdenken über die eigene Disziplin ist ein wichtiger Bestandteil einer aufgeklärten Wissenschaft. In der Ernährungswissenschaft (EW) wurden hierzu bereits einige Analysen vorgelegt [1–8]. Wie an anderer Stelle dargelegt [5–7], handelt es sich bei der EW um eine Disziplin, die die Ernährung aus biologischer, psychologischer und soziologischer Perspektive analysiert.


EW ist eine biopsychosoziale Multidisziplin, die gut geeignet ist, zur Lösung von lebensweltlichen Problemen beizutragen, da diese durch eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Faktoren verursacht werden. EW ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch keine Interdisziplin. Im Gegensatz zu einer Multidisziplin weist eine Interdisziplin zusätzliche Theorien auf, die die einzelnen Teildisziplinen miteinander vereint. Eine echte Interdisziplin ist bspw. die evolutionäre Entwicklungsbiologie. Sie vereint u. a. Entwicklungsbiologie mit Ökologie [9-11].

Zusammenfassung


In diesem Beitrag wird aufgezeigt, dass die gegenwärtige biowissenschaftliche Ernährungswissenschaft (EW) durch eine starke Anwendungsorientierung, ein Theoriendefizit, das Fehlen von grundsätzlichen Fragen und die Überbetonung der molekularen Ansätze gekennzeichnet ist. Es wird die These vertreten, dass diese konzeptionellen Schwierigkeiten der EW verbessert werden könnten, wenn die Gesetzmäßigkeiten der Wechselwirkungen zwischen Organismus und Ernährung hauptsächlich auf der Ebene des gesamten Organismus erforscht werden. Dieser systembiologische, ökologische und evolutionsbiologische Ansatz wird von der Ernährungsbiologie bevorzugt. Diese vernachlässigte Basis-Disziplin der EW hat das Ziel, möglichst allgemeingültige ernährungsbiologische Gesetzesaussagen zu erarbeiten, die für möglichst viele Lebewesen einschließlich des Menschen Gültigkeit haben. Die ernährungsbiologische Konzeption der Geometrie der Ernährung dürfte in diesem Zusammenhang wegweisend sein. Auch für die Lehre ist die Ernährungsbiologie geeignet, um den Studierenden der EW ein nachhaltiges theoretisches Fundament zu vermitteln.

Schlüsselwörter: Ernährungsbiologie, Organismus-Umwelt-Interaktion, Reduktionismus, Ernährungswissenschaft




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 05/16 von Seite M280 bis M283.


Zur Diskussion gestellt: Ernährungsbiologie − eine vernachlässigte Basis-Disziplin der Ernährungswissenschaft

Einleitung
Wissenschaftsphilosophie bzw. das Nachdenken über die eigene Disziplin ist ein wichtiger Bestandteil einer aufgeklärten Wissenschaft. In der Ernährungswissenschaft (EW) wurden hierzu bereits einige Analysen vorgelegt [1–8]. Wie an anderer Stelle dargelegt [5–7], handelt es sich bei der EW um eine Disziplin, die die Ernährung aus biologischer, psychologischer und soziologischer Perspektive analysiert.

EW ist eine biopsychosoziale Multidisziplin, die gut geeignet ist, zur Lösung von lebensweltlichen Problemen beizutragen, da diese durch eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Faktoren verursacht werden. EW ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch keine Interdisziplin. Im Gegensatz zu einer Multidisziplin weist eine Interdisziplin zusätzliche Theorien auf, die die einzelnen Teildisziplinen miteinander vereint. Eine echte Interdisziplin ist bspw. die evolutionäre Entwicklungsbiologie. Sie vereint u. a. Entwicklungsbiologie mit Ökologie [9-11].

Zusammenfassung

In diesem Beitrag wird aufgezeigt, dass die gegenwärtige biowissenschaftliche Ernährungswissenschaft (EW) durch eine starke Anwendungsorientierung, ein Theoriendefizit, das Fehlen von grundsätzlichen Fragen und die Überbetonung der molekularen Ansätze gekennzeichnet ist. Es wird die These vertreten, dass diese konzeptionellen Schwierigkeiten der EW verbessert werden könnten, wenn die Gesetzmäßigkeiten der Wechselwirkungen zwischen Organismus und Ernährung hauptsächlich auf der Ebene des gesamten Organismus erforscht werden. Dieser systembiologische, ökologische und evolutionsbiologische Ansatz wird von der Ernährungsbiologie bevorzugt. Diese vernachlässigte Basis-Disziplin der EW hat das Ziel, möglichst allgemeingültige ernährungsbiologische Gesetzesaussagen zu erarbeiten, die für möglichst viele Lebewesen einschließlich des Menschen Gültigkeit haben. Die ernährungsbiologische Konzeption der Geometrie der Ernährung dürfte in diesem Zusammenhang wegweisend sein. Auch für die Lehre ist die Ernährungsbiologie geeignet, um den Studierenden der EW ein nachhaltiges theoretisches Fundament zu vermitteln.

Schlüsselwörter: Ernährungsbiologie, Organismus-Umwelt-Interaktion, Reduktionismus, Ernährungswissenschaft


Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 05/16 von Seite M280 bis M283.

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Rubrik: Im Fokus
Veröffentlicht: 13.05.2016

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