In der Palliativversorgung steht die Erhaltung bzw. Förderung der Lebensqualität im Mittelpunkt. Da Essen und Trinken wesentlich zum Wohlbefinden, zur Lebensqualität und sozialen Verbundenheit beitragen, unterstützen Ernährungsfachkräfte Betroffene dabei, genussvolle und bedürfnisgerechte Mahlzeiten auszuwählen. Sie beurteilen den Ernährungszustand, gleichen Nährstoffmängel durch geeignete Rezepturen und Nahrungssupplemente aus und setzen küchentechnische Maßnahmen ein, um eine schmackhafte und individuell angepasste Ernährung zu ermöglichen.
Gleichzeitig können Mahlzeiten bei schwerkranken Menschen durch Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit oder Verdauungsprobleme belastend sein und zu einer verminderten Nahrungsaufnahme führen. Daher benötigen Palliativpatient*innen eine professionelle Ernährungsberatung, die sie dabei unterstützt, ihren Essalltag möglichst selbstbestimmt und genussvoll zu gestalten. Ernährungsprobleme können vielfältige körperliche, psychische, krankheits- oder therapiebedingte Ursachen haben, darunter auch weniger offensichtliche Faktoren wie Atemnot, Erschöpfung oder Schmerzen beim Kauen.
Die Ernährungstherapie folgt den Schritten des German-Nutrition Care Process (G-NCP), erfordert in der Palliativmedizin jedoch eine besonders vorausschauende Planung, engmaschige Kontrolle sowie die frühzeitige Berücksichtigung von Patient*innenwünschen. Eine weitere Besonderheit ist, dass Vorausverfügungen (z. B. Patient*innenverfügung, Vorsorgevollmacht) und essbiografische Aspekte frühzeitig zu erfassen und bei der Planung von Ernährungsinterventionen zu berücksichtigen sind.
Fachkräfte benötigen eine hohe Gesprächskompetenz, aufgrund der hohen emotionalen Belastung der Betroffenen. Für die Kommunikation kann z. B. das sog. SPIKES-Modell genutzt werden, um gemeinsam mit den Angehörigen gute Lösungen für bestehende Ernährungsprobleme, wie der Wegfall der oralen Nahrungszufuhr zu finden und einfühlsam und professionell zu besprechen.
Die Ziele der Ernährungstherapie richten sich immer nach dem aktuellen Gesundheitszustand der Betroffenen und ihrer jeweiligen Lebensphase. Es wird unterschieden in Rehabilitations-, Präterminal-, Terminal und Finalphase.
Je kürzer die verbleibende Lebenszeit wird, umso weniger steht die Nährstoffversorgung, sondern eher der Genuss und das Mundgefühl im Vordergrund. Den individuellen Wünschen der Betroffenen sollte nachgegangen werden, z. B. mit Lieblingsgetränken, oder daraus hergestellten Schäumen oder Eiskügelchen aus Saft oder auch Sekt. Betroffene erleben dies als Wertschätzung, was angenehme Gefühle auslösen und beruhigend wirken kann.
Der Fortbildungsbeitrag von Groeneveld und Götte gibt einen Einblick in die Ernährungstherapie in der Palliativversorgung. Dabei gehen sie auf palliative Aspekte der Ernährungstherapie sowie die Kommunikation mit palliativ Erkrankten ein. Auch die Anpassung des Therapieziels an die Lebensphasen einer palliativen Erkrankung und die Bedeutung essbiografischer Aspekte werden besprochen.
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