Wenn das Budget den Speiseplan bestimmt
„Mein Speiseplan richtet sich nach dem, was im Angebot ist“ – der Titel der Studie verdeutlicht bereits eine zentrale Herausforderung von Ernährungsarmut im Alter: Die Lebensmittelauswahl wird nicht allein von persönlichen Vorlieben oder gesundheitlichen Bedürfnissen bestimmt, sondern maßgeblich von den finanziellen Möglichkeiten.
Im Rahmen des ELSinA-Projekts wurden 14 Senior*innen in Armut zu ihrem Ernährungsalltag befragt. Die Leitfadeninterviews zeigen, wie vielfältig sich Ernährungsarmut im Alltag äußern kann. Neben Einschränkungen bei der Lebensmittelauswahl erschweren etwa geringe Lagermöglichkeiten sowie fehlende oder defekte Küchenausstattung die Versorgung. Auch beim Auswärtsessen und -trinken bestehen finanzielle und soziale Einschränkungen. Hinzu kommen altersbedingte körperlich-kognitive Herausforderungen.
Mit wenig auskommen
Um mit den begrenzten finanziellen Ressourcen umzugehen, greifen die Befragten auf unterschiedliche Strategien zurück. Dazu gehören der Kauf preisgünstiger Lebensmittel, eine möglichst genaue Budgetplanung und das Vermeiden von Lebensmittelabfällen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Wertschätzung von Lebensmitteln: Koch- und Versorgungskompetenzen helfen den Senior*innen, vorhandene Lebensmittel möglichst effizient zu nutzen.
Darüber hinaus beschrieben fast alle Befragten mentale Bewältigungsstrategien. Dazu gehört beispielsweise, die eigene Situation zu relativieren. Unterstützung bieten zudem private Kontakte, staatliche Leistungen, Hinzuverdienste sowie kostengünstige oder kostenlose Lebensmittelangebote.
Individuelle Ressourcen reichen nicht aus
Als grundlegende Ressource erwies sich ein ausreichender Gesundheitszustand. Gleichzeitig verdeutlichen die Ergebnisse, dass auch ausgeprägte individuelle Kompetenzen und Ressourcen die vielfältigen Herausforderungen von Ernährungsarmut nicht vollständig auffangen können. Armut kann bestehende gesundheitliche und soziale Problematiken verstärken, die bei älteren Menschen teilweise bereits durch altersbedingte Gebrechlichkeit bestehen.
Welche konkreten Erfahrungen die befragten Senior*innen mit Ernährungsarmut machen und welche Rolle individuelle Ressourcen bei der Bewältigung spielen, zeigt der vollständige Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Ernährungs Umschau.
Zitierweise:
Fehrenbach L, Werner L, Teufel N, Kaufmann T, Heyer A, Hummel E: „My menu depends on what is on offer”. Challenges, coping strategies and resources in everyday nutrition of senior citizens living in poverty. Ernahrungs Umschau 2026; 73(9): 176–85. e67–9. DOI: 10.4455/eu.2026.029
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