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  • Frau Antje: In Deutschland beliebt, in ihrer Heimat umstritten


Über solche Werte würde sich mancher Politiker freuen: 90 Prozent aller Deutschen kennen Frau Antje, die Käse-Botschafterin unseres Nachbarlandes, und den meisten davon ist sie sympathisch. In ihrer Heimat ist die Kunstfigur jedoch umstritten: Da Frau Antje in den letzten Jahren zunehmend als Symbol für ganz Holland steht, fürchten unsere Nachbarn um ihr Image.

Schließlich transportiere die Blondine mit den braven Zöpfen und der ländlichen Tracht ein Bild, das nicht zu einer modernen Industrienation passe. Eine Volkskundlerin der Universität Bonn gibt nun Entwarnung: Zwar werde Frau Antje hierzulande in Medienberichten und Karikaturen tatsächlich mehr und mehr als Metapher für Holland verwandt. Imageschäden hätten unsere Nachbarn dadurch aber nicht zu befürchten.

Seit ihrer "Geburt" als Frau Antje bei ihrem ersten Fernsehauftritt 1961 hat die Käse-Botschafterin hierzulande einen unglaublichen Siegeszug angetreten, berichtet die Bonner Wissenschaftlerin. Die Wiege von Frau Antje steht in Volendam am Ijsselmeer. Ende des 19. Jahrhunderts zog es vor allem Maler auf der Suche nach dem "ursprünglichen Holland" in Scharen in das kleine Fischerdorf, wo sie die ländliche Einfachheit und die pittoresken Trachten der Frauen festhielten. Nach den Künstlern kamen die Touristen, und mit den Touristen die Ansichtskartenindustrie. So wurde die Tracht mit der charakteristischen Flügelhaube in ganz Holland bekannt.

1934 wurde das Niederländische Büro für Molkereiprodukte gegründet und setzte zunehmend junge Frauen in Volendamer Tracht für die Käsewerbung auf Messen und Ausstellungen ein. In den 50er Jahren entwickelte ein Grafiker im Auftrag des Büros das charakteristische blau-rote Logo, das noch heute das Aussehen von Frau Antje prägt. Das Logo zeigt eine Frau in traditionell wirkender Kleidung und weißer Haube. Die Tracht hat aber mit dem ursprünglichen Vorbild praktisch nichts zu tun, sondern ist eine reine Marketing-Erfindung.

1961 wurde das Logo lebendig: Ein blondbezopftes Meisje in blau-roter Kleidung erklärte seinen deutschen Fernsehzuschauern, wie man Käsetoast Hawaii zubereitet. Sein Name: Frau Antje. Als Werbefigur für Käse steht Frau Antje für Sauberkeit, Anstand und Tradition, auch wenn sie in jüngeren Werbespots schon einmal Techno-Musik hört.

Bei unseren Nachbarn war die Figur bis in die 90er Jahre so gut wie unbekannt. Das änderte sich abrupt, als sich die Holländer mit dem fortschreitenden europäischen Integrationsprozess zunehmend die Frage nach ihrer nationalen Identität stellten. Die Niederlande verstehen sich als moderne Industrienation mit einer großen Tradition in Literatur, Kunst und Architektur. Das kollidierte mit dem ländlich-konservativen Bild, das Frau Antje zu transportieren schien. In den letzten Jahren wurde die Figur daher in den niederländischen Medien sehr kontrovers diskutiert.

Die Entwicklung der Kunstfigur von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute hat die Volkskundlerin Sophie Elpers in ihrer Magisterarbeit nachgezeichnet. Ihre Ergebnisse sind als Buch erschienen (Frau Antje bringt Holland. Sophie Elpers, Waxmann-Verlag 2005. 124 Seiten, zahlreiche Abbildungen. 14,90 Euro, Studierende 11,90 Euro) (08.12.05)





Über solche Werte würde sich mancher Politiker freuen: 90 Prozent aller Deutschen kennen Frau Antje, die Käse-Botschafterin unseres Nachbarlandes, und den meisten davon ist sie sympathisch. In ihrer Heimat ist die Kunstfigur jedoch umstritten: Da Frau Antje in den letzten Jahren zunehmend als Symbol für ganz Holland steht, fürchten unsere Nachbarn um ihr Image.

Schließlich transportiere die Blondine mit den braven Zöpfen und der ländlichen Tracht ein Bild, das nicht zu einer modernen Industrienation passe. Eine Volkskundlerin der Universität Bonn gibt nun Entwarnung: Zwar werde Frau Antje hierzulande in Medienberichten und Karikaturen tatsächlich mehr und mehr als Metapher für Holland verwandt. Imageschäden hätten unsere Nachbarn dadurch aber nicht zu befürchten.

Seit ihrer "Geburt" als Frau Antje bei ihrem ersten Fernsehauftritt 1961 hat die Käse-Botschafterin hierzulande einen unglaublichen Siegeszug angetreten, berichtet die Bonner Wissenschaftlerin. Die Wiege von Frau Antje steht in Volendam am Ijsselmeer. Ende des 19. Jahrhunderts zog es vor allem Maler auf der Suche nach dem "ursprünglichen Holland" in Scharen in das kleine Fischerdorf, wo sie die ländliche Einfachheit und die pittoresken Trachten der Frauen festhielten. Nach den Künstlern kamen die Touristen, und mit den Touristen die Ansichtskartenindustrie. So wurde die Tracht mit der charakteristischen Flügelhaube in ganz Holland bekannt.

1934 wurde das Niederländische Büro für Molkereiprodukte gegründet und setzte zunehmend junge Frauen in Volendamer Tracht für die Käsewerbung auf Messen und Ausstellungen ein. In den 50er Jahren entwickelte ein Grafiker im Auftrag des Büros das charakteristische blau-rote Logo, das noch heute das Aussehen von Frau Antje prägt. Das Logo zeigt eine Frau in traditionell wirkender Kleidung und weißer Haube. Die Tracht hat aber mit dem ursprünglichen Vorbild praktisch nichts zu tun, sondern ist eine reine Marketing-Erfindung.

1961 wurde das Logo lebendig: Ein blondbezopftes Meisje in blau-roter Kleidung erklärte seinen deutschen Fernsehzuschauern, wie man Käsetoast Hawaii zubereitet. Sein Name: Frau Antje. Als Werbefigur für Käse steht Frau Antje für Sauberkeit, Anstand und Tradition, auch wenn sie in jüngeren Werbespots schon einmal Techno-Musik hört.

Bei unseren Nachbarn war die Figur bis in die 90er Jahre so gut wie unbekannt. Das änderte sich abrupt, als sich die Holländer mit dem fortschreitenden europäischen Integrationsprozess zunehmend die Frage nach ihrer nationalen Identität stellten. Die Niederlande verstehen sich als moderne Industrienation mit einer großen Tradition in Literatur, Kunst und Architektur. Das kollidierte mit dem ländlich-konservativen Bild, das Frau Antje zu transportieren schien. In den letzten Jahren wurde die Figur daher in den niederländischen Medien sehr kontrovers diskutiert.

Die Entwicklung der Kunstfigur von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute hat die Volkskundlerin Sophie Elpers in ihrer Magisterarbeit nachgezeichnet. Ihre Ergebnisse sind als Buch erschienen (Frau Antje bringt Holland. Sophie Elpers, Waxmann-Verlag 2005. 124 Seiten, zahlreiche Abbildungen. 14,90 Euro, Studierende 11,90 Euro) (08.12.05)



Frau Antje: In Deutschland beliebt, in ihrer Heimat umstritten

Über solche Werte würde sich mancher Politiker freuen: 90 Prozent aller Deutschen kennen Frau Antje, die Käse-Botschafterin unseres Nachbarlandes, und den meisten davon ist sie sympathisch. In ihrer Heimat ist …

Über solche Werte würde sich mancher Politiker freuen: 90 Prozent aller Deutschen kennen Frau Antje, die Käse-Botschafterin unseres Nachbarlandes, und den meisten davon ist sie sympathisch. In ihrer Heimat ist die Kunstfigur jedoch umstritten: Da Frau Antje in den letzten Jahren zunehmend als Symbol für ganz Holland steht, fürchten unsere Nachbarn um ihr Image.

Schließlich transportiere die Blondine mit den braven Zöpfen und der ländlichen Tracht ein Bild, das nicht zu einer modernen Industrienation passe. Eine Volkskundlerin der Universität Bonn gibt nun Entwarnung: Zwar werde Frau Antje hierzulande in Medienberichten und Karikaturen tatsächlich mehr und mehr als Metapher für Holland verwandt. Imageschäden hätten unsere Nachbarn dadurch aber nicht zu befürchten.

Seit ihrer “Geburt” als Frau Antje bei ihrem ersten Fernsehauftritt 1961 hat die Käse-Botschafterin hierzulande einen unglaublichen Siegeszug angetreten, berichtet die Bonner Wissenschaftlerin. Die Wiege von Frau Antje steht in Volendam am Ijsselmeer. Ende des 19. Jahrhunderts zog es vor allem Maler auf der Suche nach dem “ursprünglichen Holland” in Scharen in das kleine Fischerdorf, wo sie die ländliche Einfachheit und die pittoresken Trachten der Frauen festhielten. Nach den Künstlern kamen die Touristen, und mit den Touristen die Ansichtskartenindustrie. So wurde die Tracht mit der charakteristischen Flügelhaube in ganz Holland bekannt.

1934 wurde das Niederländische Büro für Molkereiprodukte gegründet und setzte zunehmend junge Frauen in Volendamer Tracht für die Käsewerbung auf Messen und Ausstellungen ein. In den 50er Jahren entwickelte ein Grafiker im Auftrag des Büros das charakteristische blau-rote Logo, das noch heute das Aussehen von Frau Antje prägt. Das Logo zeigt eine Frau in traditionell wirkender Kleidung und weißer Haube. Die Tracht hat aber mit dem ursprünglichen Vorbild praktisch nichts zu tun, sondern ist eine reine Marketing-Erfindung.

1961 wurde das Logo lebendig: Ein blondbezopftes Meisje in blau-roter Kleidung erklärte seinen deutschen Fernsehzuschauern, wie man Käsetoast Hawaii zubereitet. Sein Name: Frau Antje. Als Werbefigur für Käse steht Frau Antje für Sauberkeit, Anstand und Tradition, auch wenn sie in jüngeren Werbespots schon einmal Techno-Musik hört.

Bei unseren Nachbarn war die Figur bis in die 90er Jahre so gut wie unbekannt. Das änderte sich abrupt, als sich die Holländer mit dem fortschreitenden europäischen Integrationsprozess zunehmend die Frage nach ihrer nationalen Identität stellten. Die Niederlande verstehen sich als moderne Industrienation mit einer großen Tradition in Literatur, Kunst und Architektur. Das kollidierte mit dem ländlich-konservativen Bild, das Frau Antje zu transportieren schien. In den letzten Jahren wurde die Figur daher in den niederländischen Medien sehr kontrovers diskutiert.

Die Entwicklung der Kunstfigur von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute hat die Volkskundlerin Sophie Elpers in ihrer Magisterarbeit nachgezeichnet. Ihre Ergebnisse sind als Buch erschienen (Frau Antje bringt Holland. Sophie Elpers, Waxmann-Verlag 2005. 124 Seiten, zahlreiche Abbildungen. 14,90 Euro, Studierende 11,90 Euro) (08.12.05)

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Veröffentlicht: 08.12.2005

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