
Ungekochte Lebensmittel tierischen Ursprungs können leicht verderben und z. B. zu einer Salmonellen-Infektionen führen. © Shawn Hempel/iStock/Thinkstock
Eine sichere Versorgung mit nährstoffreichen Lebensmitteln ist laut WHO Europa eine entscheidende Voraussetzung für eine gute Gesundheit. Unsichere Lebensmittel könnten dagegen zu einer Reihe von Gesundheitsproblemen führen, und es entstünden ständig neue Bedrohungen für die Lebensmittelsicherheit.
Am Weltgesundheitstag 2015 geht das WHO-Regionalbüro für Europa davon aus, dass lebensmittelbedingte Erkrankungen deutlich verbreiteter sind als bisher registriert. Allein 2013 wurden demnach in der Europäischen Union (EU) und im Europäischen Wirtschaftsraum 310000 Fälle von bakteriellen Lebensmittelinfektionen gemeldet. Über 300 von ihnen endeten tödlich.
„Die Lebensmittelproduktion wurde industrialisiert und ihr Handel und Vertrieb wurden globalisiert", sagt WHO-Generaldirektorin Dr. Margaret Chan in einer Meldung zum Weltgesundheitstag am 7. April. Diese Veränderungen würden neue Möglichkeiten schaffen, um Essen mit gefährlichen Bakterien, Viren, Parasiten oder Chemikalien zu kontaminieren, so Chan und warnt weiter: „Eine lokales Problem in der Lebensmittelsicherheit kann schnell zu einem internationalen Notfall werden. Die Untersuchung des Ausbruchs einer Lebensmittelinfektion ist weitaus komplizierter, als die eines einzelnen Tellers oder einer Lebensmittelverpackung, die Zutaten aus mehreren Ländern enthält. "
Unsichere Lebensmittel können zu mehr als 200 Krankheiten führen – von Durchfall bis zu Krebserkrankungen. Beispiele sind ungekochte Lebensmitteln tierischen Ursprungs, durch Fäkalien verunreinigtes Obst und Gemüse, und Schalentiere, die marine Biotoxine enthalten können.
Kinder unter fünf Jahren besonders stark betroffen
Anlässlich des Weltgesundheitstages 2015 veröffentlicht die WHO erste Ergebnisse einer breit angelegten Analyse der globalen Belastung durch lebensmittelbedingte Krankheiten. Hierzu zählt etwa die Erkenntnis, dass schätzungsweise 582 Millionen Fälle von 22 verschiedenen lebensmittelbedingten Darmerkrankungen verursacht wurden und 351000 Todesfällen geführt haben.
Vor allem die magensaftresistenten Erreger Salmonella Typhi, enteropathogene E. coli und Norovirus waren für die meisten Todesfälle verantwortlich. Über 40 Prozent der Personen, die an Darmerkrankungen aufgrund kontaminierter Lebensmittel litten, waren Kinder unter fünf Jahren.
Die vollständigen Ergebnisse dieser Studie, durchgeführt von der Foodborne Disease Burden Epidemiology Reference Group (FERG) der WHO, werden voraussichtlich im Oktober 2015 veröffentlicht.
Lebensmittelsicherheit weltweit: WHO appelliert an Politik
„Die Tatsache, dass wir es erheblich unterschätzen, wie viele Menschen aufgrund von Chemikalien in der Lebensmittelkette sowie weit verbreiteten Mikroorganismen wie Salmonella und Campylobacter erkranken, sollte in der Vielzahl von Bereichen, die an unserer Lebensmittelkette in irgendeiner Weise beteiligt sind, Alarmglocken läuten. Ein Fehler in der Lebensmittelsicherheit in auch nur einem Glied dieser Kette – von der Umwelt über Primärproduktion, Verarbeitung, Transport, Handel und Gastronomie bis zum Konsum zuhause – kann erhebliche gesundheitliche und ökonomische Auswirkungen haben," erklärt Dr. Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa.
Die WHO appelliert daher an die Politik:
- ausreichende Systeme und Infrastrukturen für Lebensmittelsicherheit aufzubauen und aufrechtzuerhalten, einschließlich der erforderlichen Laborkapazitäten, Surveillance- und Meldesysteme;
- Risiken für die Lebensmittelsicherheit entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette zu beherrschen und auf sie zu reagieren, auch während Notlagen;
- eine übergreifende Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Bevölkerungsgesundheit, Tiergesundheit und Landwirtschaft zu fördern, um eine wirksamere Kommunikation, einen besseren Informationsaustausch und gemeinsame Maßnahmen zu erreichen;
- die Lebensmittelsicherheit in übergeordnete Konzepte und Programme im Bereich Ernährung (z. B. Ernährungssicherheit) einzubinden;
- global zu denken und lokal zu handeln, damit die im Inland erzeugten Lebensmittel auch im Ausland so sicher wie möglich sind.
Weitere Informationen:
pdf zu SALMONELLEN IN DER EUROPÄISCHEN REGION
World Health Day 2015: From farm to plate, make food safe
WHO Regionalbüro für Europa: Weltgesundheitstag 2015 – Lebensmittelsicherheit
Komplexität der Lebensmittelkette erhöht Gefahren für die Lebensmittelsicherheit





