Nach Angaben der Leitliniengruppe hat sich seit der letzten Version von 2019 die Evidenz zur medikamentösen Therapie der Adipositas im Kindes- und Jugendalter grundlegend weiterentwickelt. Mehrere randomisierte kontrollierte Studien zeigen, dass sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten das Körpergewicht sowie kardiometabolische Risikofaktoren bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas senken können. Zudem liegen inzwischen Zulassungen für den Einsatz im Jugendalter vor.
Ohne eine zeitnahe Aktualisierung bestünde das Risiko, dass therapeutische Entscheidungen nicht mehr dem aktuellen Stand der Evidenz entsprechen.
Mit der Aktualisierung wurden zwei neue Empfehlungen verabschiedet. Demnach kann bei Adipositas eine medikamentöse Therapie ab dem zugelassenen Mindestalter ergänzend zu einer leitliniengerechten Lebensstilintervention in Betracht gezogen werden. Für Kinder und Jugendliche mit extremer Adipositas oberhalb des 99,5. Perzentils und anhaltender Gewichtszunahme sollte die medikamentöse Therapie in spezialisierten Zentren unter klar definierten Kriterien erwogen werden.
Die Leitliniengruppe unterscheidet dabei zwischen Adipositas und extremer Adipositas. Letztere ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, arterielle Hypertonie, Dyslipidämie und kardiovaskuläre Folgeerkrankungen verbunden. In diesen Fällen kann eine medikamentöse Therapie auch eine Alternative zu bariatrisch-chirurgischen Eingriffen darstellen.
Zugleich verweisen die Autor*innen auf Probleme bei der Kostenübernahme. Trotz der vorliegenden Evidenz wird die Kostenübernahme derzeit häufig unter Verweis auf § 34 Abs. 1 Satz 7 SGB V („Lifestyle-Paragraf“) abgelehnt. Die Leitliniengruppe argumentiert hingegen, dass es sich bei Adipositas um eine chronische Erkrankung und nicht um eine Lifestyle-Intervention handelt.
Die Teilaktualisierung betrifft ausschließlich die Empfehlungen zur medikamentösen Therapie. Eine vollständige Überarbeitung der Leitlinie ist weiterhin für Januar 2027 vorgesehen.
Quelle: Deutsche Adipositas-Gesellschaft e.V. (DAG), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ), gemeinsame Pressemeldung vom 06.05.2026.





