Im Frühjahr 2025 schlug eine internationale Kommission von The Lancet Diabetes & Endocrinology vor, Adipositas in zwei Kategorien einzuteilen: präklinische und klinische Adipositas. Nach diesem Konzept sollte Adipositas neben einem Body-Mass-Index (BMI) von ≥ 30 kg/m² durch mindestens ein weiteres anthropometrisches Kriterium (z. B. erhöhter Taillenumfang oder Körperfettanteil) ergänzt werden.
Personen mit Adipositas, bei denen zusätzlich Adipositas-assoziierte Auffälligkeiten wie Bluthochdruck oder Störungen des Glucose- und Fettstoffwechsels vorliegen, werden als klinisch adipös eingestuft. Liegt Adipositas ohne diese Auffälligkeiten vor, erfolgt die Einordnung als präklinische Adipositas. Zudem wurde vorgeschlagen, die klinische Adipositas als eine eigenständige Erkrankung mit entsprechenden Behandlungsindikationen zu klassifizieren.
Vor diesem Hintergrund untersuchte die vorliegende Studie die Prävalenz von präklinischer und klinischer Adipositas in der Bevölkerung sowie das Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen und den Effekt einer Lebensstilintervention auf die Prävalenz klinischer Adipositas. Hierfür wurden Daten aus drei großen Studien ausgewertet: NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey; repräsentativ für die US-Bevölkerung), EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)-Potsdam und TULIP (Tübinger Lebensstilinterventionsprogramm).
Die Analysen zeigen, dass alle Personen mit einem BMI von ≥ 30 kg/m² zusätzlich mindestens ein weiteres anthropometrisches Kriterium erfüllten. Rund 80 Prozent wurden als klinisch adipös eingestuft. Diese Personen wiesen ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen sowie ein rund achtfach erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes auf im Vergleich zu Personen, die keine Adipositas haben und die klinischen Kriterien nicht erfüllen. Personen mit präklinischer Adipositas zeigten hingegen kein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, jedoch ein dreifach erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes.
Eine neunmonatige Lebensstilintervention in der TULIP-Studie konnte die Häufigkeit klinischer Adipositas von 71 auf 57 Prozent reduzieren und die Prävalenz von Prädiabetes von 52 auf 29 Prozent verringern. Zudem verbesserten sich der Blutdruck, die Triglyceridwerte und die Blutzuckerregulation.
Die Autor*innen schließen aus ihren Ergebnissen, dass eine zusätzliche Bestätigung der Adipositas durch weitere anthropometrische Maße wie Taillenumfang oder Körperfettanteil in der Praxis nicht notwendig zu sein scheint, da diese Kriterien von nahezu allen Teilnehmenden mit BMI-basiertem Adipositasstatus erfüllt wurden. Da die Mehrheit der Personen mit Adipositas bereits messbare gesundheitliche Einschränkungen aufweist und somit der Kategorie der klinischen Adipositas zugeordnet werden kann, wird die Notwendigkeit einer umfangreichen Diagnostik zur Einteilung in präklinische und klinische Adipositas infrage gestellt.
Literatur:
1. Schiborn C, Hu F, Stefan N, Schulze M.: Preclinical and clinical obesity: prevalence, associations to cardiometabolic risk and response to lifestyle intervention in NHANES and the EPIC-Potsdam and TULIP studies. Nature Commun. 17, 1935 (2026).
Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), Pressemeldung vom 23.02.2026





