Die Stigmatisierung von Menschen mit höherem Körpergewicht stellt ein relevantes Problem dar, da sie sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit sowie den Erfolg ernährungstherapeutischer Interventionen beeinträchtigen kann. Mit wachsendem Problembewusstsein werden gewichtszentrierte Ansätze zunehmend kritisch hinterfragt, während gewichtsneutrale Konzepte auch in der Ernährungsberatung an Bedeutung gewinnen.
Eine aktuelle Publikation von Triebel et al. (2026) untersucht im Rahmen eines Scoping Reviews sowohl gewichtsstigmatisierende Einstellungen von Ernährungsfachkräften als auch die Wirksamkeit gewichtsneutraler Ernährungsinterventionen. Hierfür wurden die Datenbanken PubMed, Web of Science Core Collection und APA PsycInfo systematisch in Bezug auf beide Themenbereiche durchsucht. Eingeschlossen wurden Studien aus Ländern des globalen Nordens mit erwachsenen Stichproben und einem Veröffentlichungsdatum ab 2003.
Insgesamt wurden 30 Studien in die Analyse eingeschlossen. Diese wurden überwiegend nach 2020 publiziert und größtenteils in den USA mit vorwiegend weißen, weiblichen Stichproben durchgeführt. In 8 von 10 Studien zu Einstellungen von Ernährungsfachkräften zeigten sich gewichtsspezifische Vorurteile. So wurden in vier vignettengestützten. Untersuchungen Personen mit höherem Gewicht signifikant negativer bewertet.
Die Auswertung von 20 Studien zu gewichtsneutralen Ernährungsinterventionen weist insbesondere auf Verbesserungen im psychischen Bereich hin, etwa auf eine Reduktion von Symptomen von Essstörungen, ohne dass negative Effekte auf körperliche Gesundheitsparameter festgestellt wurden.
Die Ergebnisse legen nahe, dass gewichtsstigmatisierende Einstellungen bei Ernährungsfachkräften verbreitet sind und die Betreuung von Klient*innen beeinflussen können. Gleichzeitig zeigen gewichtsneutrale Ansätze insbesondere im Hinblick auf die psychische Gesundheit Vorteile. Die Autorinnen weisen darauf hin, dass in beiden Forschungsfeldern weiterhin erhebliche Forschungslücken bestehen; insbesondere mangelt es an belastbaren randomisiert-kontrollierten Studien.
Der Beitrag, der Open Access auf Deutsch in der Zeitschrift „Prävention und Gesundheitsförderung“ erschienen ist, formuliert abschließend ein Fazit für die Beratungspraxis:
- Eigene Behandlungspraxis selbstkritisch hinterfragen.
- In der Behandlungs- und Beratungspraxis ein sicheres, vorurteilsfreies Umfeld schaffen, das auf Vertrauen, Akzeptanz und gegenseitigem Respekt beruht.
- Andere Faktoren für das Wohlergehen, z. B. die psychische Gesundheit, Verhaltensmuster und eine gemeinsame Zielsetzung, in Beratungsgesprächen fokussieren.
- Eine respektvolle Sprache in Bezug auf das Gewicht verwenden und Räumlichkeiten gewichtsinklusiver gestalten.
Literatur: Triebel LC, Godemann J, Yildiz J: Gewichtsstigmatisierung und gewichtsneutrale Interventionen in der Ernährungsberatung: Ein Scoping Review. Präv Gesundheitsf 2026. https://doi.org/10.1007/s11553-026-01319-7





