
Dr. Katrin Zander © privat
Ein Label für nachhaltige Aquakultur sollte vor allem Naturnähe, Natürlichkeit und artgerechte Fischhaltung kommunizieren. Das ist das Ergebnis einer Studie, die vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) gefördert wurde. Unter der Leitung von Professor Ulrich Hamm von der Universität Kassel und Dr. Katrin Zander vom Thünen-Institut wurden die Präferenzen von Verbrauchern für nachhaltige Aquakulturprodukte untersucht.
Zudem hat die Studie ergeben: Ebenso wie bei der Vermarktung von Fleisch und Wurstwaren ist es bei Fisch sinnvoll, den regionalen Aspekt hervorzuheben. Dabei sei die regionale Herkunft noch wichtiger als der Tierwohlgedanke, meint Professor Hamm: „Regionale Erzeugung steht für kurze Transportwege und höhere Transparenz, beides sind denkbare Kriterien für eine nachhaltige Aquakultur, denn schließlich stammen mehr als 80 Prozent des in Deutschland verkauften Fischs aus dem Ausland.“
Dass auch Kreislaufanlagen viele Vorteile bieten, ist schwierig zu vermitteln. „Wichtig ist es hier, den Mehrwert im Auge zu haben“, rät Zander: „Diesen könnten etwa exotische Fischarten bieten, die hier in weniger kontrollierbarer Umgebung nicht gezüchtet werden können und gegenüber Importen den Vorteil der regionalen Erzeugung mitbringen.“
Kennzeichnung der Produktionsverfahren denkbar
Darüber hinaus bietet sich für den Fischbereich eine enge Kooperation mit Handelsunternehmen an. Über die Listung regionaler, nachhaltig erzeugter Aquakulturprodukte könnte sich für den Handel ein Differenzierungspotential ergeben, welches eine kaufkräftige Käuferschicht anspricht. Wichtig seien zudem Initiativen, die die gesamte Wertschöpfungskette ins Boot holen.
Allerdings dürfte es für die Aquakultur noch schwieriger sein als im Tierhaltungsbereich, sich auf einheitliche Standards zu einigen, räumt Zander ein. Denn die verschiedenen Fischarten stellen sehr unterschiedliche Ansprüche an die Haltung. Selbst Experten seien sich nicht einig darüber, was fischgerechte Haltung eigentlich im Detail ausmacht.
Was auf dem Eiermarkt schon seit mehr als zehn Jahren funktioniert, nämlich eine Kennzeichnung exakt definierter Produktionsverfahren, ist im Interesse der Verbraucher auch für Fisch und Fischerzeugnisse denkbar. Bezogen auf die Aquakultur käme aus Sicht der Wissenschaftler ein mehrstufiges Verfahren infrage:
1.) Bio
2.) erdnahe Teiche mit geringem Fischbesatz (was den Verbrauchervorstellungen einer artgerechten „natürlichen“ Haltung sehr nahe kommt)
3.) RAS-Anlagen, die die Umwelt schonen, aber Tierwohlaspekte weniger stark umsetzen
4.) konventionelle Fischerzeugung in großen befestigten Durchflussanlagen oder sehr dicht besetzten Teichen.
Nina Weiler für das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)





