Die Bundesregierung plant eine umfassende Neuordnung ihrer Behörden im Bereich Ernährung und gesundheitlicher Verbraucherschutz: Bis 2029 sollen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Max Rubner-Institut (MRI) und das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) zu einem neuen Bundesinstitut für Risikobewertung und Ernährung zusammengeführt werden. Erste Schritte der Reform sind bereits zum 1. Januar 2028 vorgesehen [1].
Nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sollen mit der Neustrukturierung Zuständigkeiten gebündelt, wissenschaftliche Expertise stärker vernetzt und Verwaltungsabläufe effizienter gestaltet werden. Ziel sei es, Doppelstrukturen abzubauen und Abstimmungsprozesse zu verkürzen. Konkrete Schritte zur Umsetzung der Reform gehen aus der Pressemitteilung vom 4. August jedoch nicht hervor [1].
Das neue Institut soll künftig Aufgaben aus den Bereichen Lebensmittelqualität, Lebensmittelsicherheit, Ernährungssicherung, Ernährungs- und Risikokommunikation sowie Ernährungsbildung unter einem Dach vereinen. Nach Darstellung des Ministeriums soll dadurch ein ganzheitlicher Ansatz entstehen, der neben der Bewertung von Chemikalien, Produkten, Futtermitteln und Lebensmitteln auch ernährungswissenschaftliche, epidemiologische und produktionstechnische Aspekte berücksichtigt.
Ein weiterer Schwerpunkt der Reform ist die Zusammenführung der Nationalen Referenzlaboratorien. Das Ministerium verspricht sich davon eine höhere Leistungsfähigkeit in Forschung und Analytik sowie eine engere Verzahnung von wissenschaftlicher Kommunikation und Verbraucherinformation.
Für die Gründung des neuen Bundesinstituts ist zunächst ein Errichtungsgesetz erforderlich. Bereits Anfang 2028 sollen die Nationalen Referenzlaboratorien des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in das BfR überführt werden. Gleichzeitig werden wesentliche Aufgaben des bislang bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) angesiedelten Bundeszentrums für Ernährung in das Max-Rubner-Institut integriert. Mit der vollständigen Zusammenführung der Einrichtungen soll das neue Bundesinstitut 2029 seine Arbeit aufnehmen.
Wie sich die Neuordnung auf Zuständigkeiten, Ressourcen, die wissenschaftliche Unabhängigkeit und die politische Priorität des Themas Ernährung auswirken wird, lässt sich auf Grundlage der bisherigen Pläne noch nicht abschließend beurteilen.
Hintergrund
Das bisherige Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) ist gerade gute 10 Jahre alt [2], in ihm wurden im Februar 2017 unter anderem Zuständigkeiten des ehemaligen aid Infodienstes und weitere Organisationen wie Gesund ins Leben gebündelt. Leser*innen der ERNÄHRUNGS UMSCHAU ist das BZfE u. a. durch die BZfE-Foren und die Ausrichtung der Bonner Ernährungstage – zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) – bekannt.
Das 28.3.2008 aus dem Vorgänger Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel gegründete Max Rubner-Institut (MRI) (Bundeslebensmittelschlüssel, Nationale Verzehrsstudie II) umfasst derzeit 9 Institute und 1 Zentrum. Darunter das Institut für Kinderernährung (nicht zu verwechseln mit dem Forschungsinstitut für Kinderernährung [DONALD-Studie]) sowie die Leitung der Nationalen Stillkommission und das Nationale Referenzzentrum [3, 4]. Derzeit läuft die Umstrukturierung zu zukünftig 5 Instituten und 2 Zentren [5]. Inwieweit diese durch die jetzt auf den Weg gebrachten neuen Zuständigkeiten Bestand haben, ist noch unklar.
Das Bundesinstitut für Riskobewertung (BfR) verdankt seine Gründung letztlich der Auflösung des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes 1994 aufgrund des Sandals um HIV-verseuchte Blutkonserven. Für Ernährungsfachkräfte nützlich sind unter anderem die BfR-Einschätzungen zu Nahrungsergänzungsmitteln [6].
Kommentar
Es gibt also wieder einmal Neustrukturierungen in der dem Ernährungsministerium unterstellten Forschungs- und Informationslandschaft. In den meisten Pressetexten zu den hier im Text nur verkürzt dargestellten bisherigen Neuordnungen wurden Effizienzsteigerungen und Klärung von Zuständigkeiten herausgestellt und die wissenschaftliche Unabhängigkeit der ganz oder nahezu aus Bundesmitteln finanzierten Institute betont. Auch diesmal wird die Stärkung des gesundheitlichen Verbraucherschutzes als Ziel genannt. Das ist lobenswert. Allerdings lässt sich in verschlankten Strukturen auch schneller „durchregieren“, in der Übergangsphase wird es Job-Unsicherheiten und Kompetenzgerangel geben und die Gefahr besteht, dass die Wissenschaftler*innen in den betroffenen Strukturen bald unmittelbarer dem jeweiligen Klima politischer Erwünschtheit ausgesetzt sind – Ernährungsfachkräften ist die Kontroverse um den Nutri-Score im Zusammenhang mit dem MRI noch in Erinnerung. Die hier angekündigte Neuordnung soll endgültig erst kurz vor Ende der derzeitigen Legislaturperiode greifen – Fortführung ungewiss? Dabei sind Fachkräfte wie Verbraucher*innen auf die „geschätzte und wichtige Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Beratung und Kommunikation“ (O-Text der BMLEH-Pressemeldung) gerade auch der Bundesinstitute angewiesen. Hoffen wir, dass diese gesichert wird.
Dr. Udo Maid-Kohnert, Pohlheim
Quellen
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Pressemeldung vom 04.08.2026.
- Netzwerk Gesund ins Leben: Staatlich gestärkt. gesund-ins-leben.de/netzwerk-gesund-ins-leben/aktuelle-meldungen/meldungen-2017/staatlich-gestaerkt/ (last accessed on 4 August 2026).
- Max Rubner-Institut: Organigramm des MRI. mri.bund.de/fileadmin/MRI/Verwaltung/Organigramm_MRI_Internet.pdf (last accessed on 4 August 2026).
- Max Rubner-Institut: Nationales Referenzzentrum für authentische Lebensmittel. mri.bund.de/de/institute/nrz-authent/ (last accessed on 4. August 2026).
- Max Rubner-Institut: Startseite. mri.bund.de/de/home/ (last accessed on 4 August 2026).
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Gesundheitliche Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln. bfr.bund.de/lebensmittel-und-futtermittelsicherheit/gesundheitliche-risikobewertung-spezieller-lebensmittelgruppen/gesundheitliche-bewertung-von-nahrungsergaenzungsmitteln (last accessed on 4 August 2026).





