Was Menschen motiviert, richtig zu essen.
- 08.06.2007
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- Redaktion
Wie verbessert Ernährungsberatung ihren Erfolg?
Teil 1: Prinzipien der Ernährungsberatung
Volker Pudel, Göttingen
Foto: www.5amtag.deErnährungsberatung und -aufklärung sind etabliert. Verschiedene Zertifikate bescheinigen dem/der Berater/in, dass er/sie auf dem aktuellen Stand der Ernährungswissenschaft aktuelle Informationen übermittelt. Die Ernährungswissenschaft ihrerseits basiert auf umfangreichem Wissen, das durch Experimente, klinische Forschung und Epidemiologie gesichert ist. Ernährungsberatung und -aufklärung werden seit über 50 Jahren betrieben. Allerdings ist ihre Wirkung nicht so, wie man sie sich gewünscht hat, denn das Essverhalten der Bevölkerung fördert weiterhin Übergewicht und ernährungsabhängige Erkrankungen.
50 Jahre Ernährungsberatung und -aufklärung haben die Menschen über Ernährungsfragen gebildet, jedoch kein Verhalten verändert. Essverhalten ist in hohem Maße emotional bestimmt und an früh erlernte Gewohnheiten gebunden. Entscheidende Prinzipien der Ernährungsberatung müssen daher folgende sein:
Konkrete Maßnahmen statt abstrakter Informationen: Ernährungsinformationen müssen auf Lebensmittelebene übertragen und in konkrete Maßnahmen gefasst werden. Information verändert keine Bedürfnisse: Kognitive Informationen über den Nährstoffbedarf ändern nicht das Ernährungsverhalten, sondern fördern nur das schlechte Gewissen. Kochkurse, gemeinsame Einkäufe und sensorische Tests sind Maßnahmen, die Erlebnisse vermitteln, Bedürfnisse ansprechen und damit verhaltenswirksam werden.
Bedürfnisse beeinflussen: Bedürfnisse beruhen auf emotionalen Vorstellungen und trainiertem Verhalten. Selbstbeobachtung in bedürfnisgesteuerten Situationen und Verhaltenstraining in kleinen Schritten helfen, Bedürfnisse zu verändern. Quantitative Vorgaben erzeugen Erfolgserlebnisse: Klare Zielvorgaben, die in kleine Schritte eingeteilt und leicht kontrolliert werden können, erzeugen Erfolgserlebnisse und verstärken damit gewünschtes Verhalten.
Beachtung der Kontingenzverhältnisse: Vage gesundheitliche Beeinträchtigungen in ferner Zukunft wirken weniger verhaltenswirksam als direkt erlebte Gefühle beim Essen. Beratung muss sich also im Bereich von „heute“ bewegen, z. B. mit konkreten Belohnungen für Trainingsfortschritte.
Flexible statt rigider Kontrolle: Rigide Kontrollmaßnahmen destabilisieren bei geringster Überschreitung das Verhalten. Flexible Vorgaben („ich versuche, in der nächsten Woche nur eine Tafel Schokolade zu essen“) können leichter eingehalten werden und stärken das Selbstvertrauen. Realistische Zielsetzungen: Patienten haben oft unrealistische Abnehmvorstellungen. Aufgabe des Beraters ist es, kleine Schritte zu planen und auf realistische Zielsetzungen zu achten.
Den vollständigen Artikel finden Sie in Ernährungs Umschau 06/07 ab Seite 308.
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