Nachschlag: Personalisierte Ernährung

Wie nah aktuelle Forschung an den realen Lebenswelten ihrer Mitmenschen dran ist, lässt sich schnell testen. Sie brauchen die betreffenden Themen nur einmal ganz beiläufig im privaten Umfeld ansprechen und anschließend das Maß an Verständnis/Unverständnis auf einer Skala von „Und wen interessiert das?“ bis „Ist doch ein alter Hut!“ eintragen. Dieser Ansatz gilt selbstredend auch für Themen der Ernährungsforschung.

Auch wenn coronabedingt die Auswahl an Testpersonen derzeit extrem eingeschränkt ist, stehen ja mit der Kernfamilie, der einen erlaubten Person eines anderen Haushalts, ggf. FFP2-maskierten HandwerkerInnen und PaketzustellerInnen immer noch einige Freiwillige zur Verfügung.

Gesprächsversuch 1: „Es hat sich jetzt gezeigt, dass die Mechanismen im Zusammenhang mit personalisierter Ernährung doch komplexer sind, als anfangs gedacht. Das scheint ein multifaktorielles Geschehen zu sein ...“
Antwort Testperson 1: „Ja, bei den letzten Geburtstagen in großer Runde – also vor Corona – da mussten wir das Essen auch schon ganz schön personalisieren: Die eine mochte dieses nicht, der andere hatte eine Unverträglichkeit oder mochte kein Fleisch, das macht bald keinen Spaß mehr.“
Antwort Testperson 2 (die wohl nicht richtig zugehört hatte): „Ja, früher, wenn ich im Restaurant am längsten auf mein Essen warten musste oder nicht das Bestellte kam, das hab´ ich schon persönlich genommen.“
Versuch der Richtigstellung: „Nein, es geht eher darum, wie die Ernährungsweise speziell für jede Person optimiert werden kann, weil deren Stoffwechsel und das Mikrobiom …“
Antwort: „Ja ist doch klar, bei uns zuhause ernährt sich auch jeder sehr speziell, mein Großer, der hat im Moment wohl einen derartigen Stoffwechsel, also immer hungrig! Und im Büro haben wir schon seit langem die Kaffeetassen personalisiert … und bei der Nugatcreme, da kann man jetzt sogar das Etikett mit dem eigenen Vornamen bekommen, das ist doch dann auch personalisiert!“.

… Manchmal fühlt man sich mit den spannendsten Themen doch sehr allein und unverstanden. Und Frust weckt den Süßhunger. Beim unschlüssigen Blick in den Kühlschrank fällt mir das allerletzte Stück von dem leckeren Apfelkuchen ins Auge: Das muss ich jetzt gleich mal personalisieren.

Nehmen Sie´s nicht persönlich.

Udo Maid-Kohnert



Diesen Artikel finden Sie wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 3/2021 auf Seite M176.

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