Editorial 08/10: Jugendesskultur

Prof. Dr. Helmut Erbersdobler,
Herausgeber

Als unser Jüngster seinerzeit ein gewisses Alter erreicht hatte, knallte er eines Morgens zum Frühstück eine Colaflasche und ein Glas Nuss-Nougat- Creme auf den Tisch, richtete sich Brötchen her und begann zu mampfen. Da wussten wir, dass die Pubertät in vollem Gange war. Bei solchen Gelegenheiten fragt man sich schon, ob das Wort Kultur beim Essverhalten von Kindern und Jugendlichen überhaupt angebracht ist.

Lange Zeit entzündeten sich die Diskussionen um das Essverhalten Jugendlicher am Verzehr von Fast Food vom Typ Hamburger und Co. Dann kam die Döner-Welle – mein besagter Sohn hieß damals Döner-Jo. Inzwischen lassen einen außerdem fette Pizzen, Donuts und Muffins sowie Chips und anderes Ethno-Food, begleitet von den entsprechenden Getränken, die Haare zu Berge stehen. Dabei wird die Gefahr der Gewöhnung, nach dem Motto „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, immer wieder betont. Den Freizeitsektor kann man allerdings am wenigsten beeinflussen

Ich halte den häuslichen Bereich für besonders wichtig. Gemeinsame Essen mit frisch zubereiteten Mahlzeiten sind dabei von hoher Bedeutung. Das Hauptproblem – vorzugsweise neben dem Fernsehen oder dem Spielen am PC – ist das Essen aus der Tiefkühltruhe und aus der Tüte (z. B. Chips). Beides sollte man aus dem Haus und der Kühltruhe verbannen. Die unerwünschten Lebensmittel werden nicht grundsätzlich verboten. Im Bereich des Haushalts sind sie aber einfach nicht da.

Wenn in der Küche nur Brot und Käse sowie Obst und Gemüse vorliegen, werden diese sicherlich nicht verschmäht. Nach etwa der fünften selbst gekauften Cola überlegt sich nämlich der Sprössling, ob er sein Taschengeld nicht sinnvoller verwendet und lieber doch das heimische kostenlose Mineralwasser trinkt. Wenn natürlich „die Alten“ selbst Nüsse, Chips und Süßes zum Abend mit Glotze und Bier „einwerfen“, dann stellt der Nachwuchs auch entsprechende Forderungen (und bekommt sie auf Grund des schlechten Gewissens auch erfüllt).

Ergibt das zusammen mit einer unterstützenden Ausbildung in der Schule eine Kultur? Ich meine ja, wenn die einzelnen Elemente harmonieren. Übrigens, der anfangs genannte Sohn zeigt heute von meinen Kindern das meiste Ernährungsbewusstsein. Er stellt viele Fragen und überraschte mich kürzlich mit einem selbst gemachten Vollkorn-Nudel-Salat. Er heißt Hans, hat es aber noch gelernt!

In diesem Sinne viel Erfolg bei der Kulturvermittlung.

Ihr Helmut Erbersdobler

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