Zu guter Letzt 12/10: Weihnachtsdeko
- 12.12.2010
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- Redaktion
Wenn Lady Gaga sich Fleisch auf den Leib schneidern lässt, dann mag man das degoutant oder dekadent finden, es ist und bleibt aber ein Einzelfall. Wenn man dagegen heute in der Vor-Weihnachtszeit einen kleinen Laden, eine Boutique oder Apotheke betritt, dann leuchten einem allenthalben Lebensmittel als Dekoration entgegen: Äpfel, Nüsse, Lebkuchen, Kekse und Gewürze – auch teure, wie z. B. (hoffentlich die ohnedies weniger gesunden Cassia-)Zimtstangen, werden dekorativ arrangiert und platziert.
Im Supermarkt gibt es Nikolauswürste (kann man wenigstens essen). Dünne Scheiben von Parmaschinken oder Edelsalamis werden zu „Sträußen“ gebunden und damit breitflächig dem oxidativen Verderb ausgesetzt. Ein großer Discounter bietet gar ein „Gewürz-Deko-Sortiment“ „Weihnachten“ an.
Es mag ja sein, dass die entsprechenden Tabletts und Buketts (mit Ausnahme der Sträuße) staubsicher über ein bis zwei Jahre gelagert und wiederverwendet werden. Trotzdem gilt die uns als Kindern schon eingebläute Regel „nicht mit dem Essen spielen!“ auch hier.
Man muss sich fragen, ob die Lebensmittel ebenso teuer wie oder sogar billiger als andere Deko-Artikel sind oder ob die Rohstoffe angesichts der Fertigungs- und Transportkosten gar nicht mehr ins Gewicht fallen. Möglicherweise erfolgt die Herstellung sogar in den Billiglohn-Ländern. Dort würden dann (bei uns) teure Gewürze, die man dort den Bauern billig abgeluchst hat, (Lohn-)preisgünstig verarbeitet. Somit ein doppelter Verstoß gegen einen fairen Handel. Frohe Weihnachten kann man dazu nur sagen.
Ich appelliere an die Geschäfte in Deutschland, solch einen Unfug nicht mehr mitzumachen. Es gibt von Schnitzwaren bis zu Ikebana so viele weihnachtliche Dekorations-Möglichkeiten, dass wir diesen Irrsinn nicht nötig haben.
Ihr Helmut Erbersdobler
Den vollständigen Artikel finden Sie in Ernährungs Umschau 12/10 auf Seite 696.