Wild lebende Flussfische: Belastung mit Dioxinen und PCB
- 13.04.2010
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- Redaktion
Flussfische können mit Dioxinen und polychlorierten Biphenylen belastet sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat aufgrund von Daten aus der Dioxin-Datenbank des Bundes und der Länder und der Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eine Bewertung des gesundheitlichen Risikos durch den Verzehr von Flussfischen vorgenommen.
Im Einzelnen wurde festgestellt, dass Aale in der Regel höhere Gehalte an Dioxinen und PCB aufwiesen als andere Fischarten. Über die Hälfte (64 %) aller untersuchten Proben überschritten den in der EU gültigen Höchstgehalt von 12 pg WHO-TEQ (Toxizitätsäquivalente, umfasst Dioxine und dioxinähnliche PCB, s. Kasten) je Gramm Frischgewicht (FG) für Aal. Bei anderen Fischarten lagen 9% der untersuchten Proben über dem für diese Arten festgelegten Höchstgehalt von 8 pg WHO-TEQ/g FG.
Welchen Mengen an Dioxinen Verbraucher beim Verzehr fettreicher Fische tatsächlich ausgesetzt sind, ist allerdings nicht klar abschätzbar, denn die Daten stammen aus einer nicht repräsentativen Erhebung. Da der Verzehr von fettreichem Fisch aber erheblich zur Aufnahme von Dioxinen und PCB beim Menschen beitragen kann, sollten diese Fischarten nicht zu häufig gegessen werden. Zu beachten ist, dass auch mit dem Genuss von Aal mit WHO-TEQGehalten unterhalb des geltenden Höchstgehaltes der Wert für die lebenslange duldbare wöchentliche Aufnahme (TWI) überschritten werden kann.
Das BfR ist deshalb der Ansicht, dass Verzehrsempfehlungen für fettreiche Fische erforderlich sein können, um Verbraucher mit einem hohen Verzehr solcher Fische zu schützen. Die ausführliche Stellungnahme ist unter www.bfr.bund.de/cm/208/belastung_von_wildlebenden_flussfischen_mit_dioxinen_und_pcb.pdf zu finden.
Toxizitätsäquivalente (TEQ)
Da die Giftigkeit der einzelnen polychlorierten Dioxine und Furane unterschiedlich ist, werden zur Abschätzung der Gefährlichkeit von Gemischen dieser Substanzen Toxizitätsäquivalente (TEQ) angegeben. Dabei wird die Giftigkeit des „Sevesodioxins“ 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (2,3,7,8- TCDD), der giftigsten Verbindung unter den Dioxinen und Furanen, willkürlich gleich 1 gesetzt. Den übrigen Verbindungen werden Toxizitätsäquivalentfaktoren (TEF) zwischen 0,0001 und 1 zugeordnet. Ein Dioxin/Furan mit einem Toxizitätsäquivalent von 0,5 ist demnach halb so giftig wie 2,3,7,8-TCDD. Der Gesamt-TEQ-Wert eines Dioxingemischs errechnet sich durch Multiplizieren der einzelnen Dioxin- bzw. Furan-Konzentrationen mit dem TEF, die so erhaltenen Werte werden addiert. Hierbei werden unterschiedliche Berechnungsmodelle angewandt, aktuell ist die Einstufung der WHO aus dem Jahre 1997 (WHO-TEQ).
Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung, Stellungnahme Nr. 013/2010 (16.04.10)