Wissenschaftliche Tagung: Kritische Nährstoffe in Schwangerschaft, Stillzeit und früher Kindheit
- 13.09.2011
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- Redaktion
Ein internationaler wissenschaftlicher Workshop mit dem Titel „Kritische Mikronährstoffe in Schwangerschaft, Stillzeit und früher Kindheit“ fand im Mai 2011 in Tutzing statt. Veranstalter waren EURRECA und ENA (Early Nutrition Academy) in Zusammenarbeit mit der Dr. von Haunerschen Kinderklinik, Klinikum der Ludwigs-Maximilians-Universität München.
Weltweit werden derzeit Einzelheiten der optimalen Zufuhr von Nährstoffen in den genannten Lebensphasen in wissenschaftlichen Gremien kontrovers diskutiert. Harmonisierte, evidenzbasierte Empfehlungen für die Vitamin-D-, Folsäure- und Eisenzufuhr fehlen wegen unterschiedlicher Bewertung von Detailfragen. Daten der WHO zeigen jedoch, dass weltweit eine große Anzahl der Schwangeren sowie der Säuglinge und Kinder unzureichend mit Vitamin D, Folsäure und Eisen versorgt sind. Prof. Heike BISCHOFF-FERRARI (Zürich) folgerte aus Beobachtungsstudien und Meta-Analysen, dass eine Serumkonzentration an Vitamin D [25(OH)D] von unter 25 nmol/l bei Schwangeren und Neugeborenen einen negativen Einfluss auf Knochengesundheit, Gewichtsentwicklung, Atemwegserkrankungen und chronische Erkrankungen haben kann.
Die perikonzeptionelle Folsäuresupplementierung ist als effektive Primärprävention von Neuralrohrdefekten etabliert – so Prof. Dr. Andrew CZEIZEL (Budapest). In mehr als 60 Ländern weltweit wird Mehl mit Folsäure angereichert, mit einer deutlichen Senkung der Häufigkeit angeborener Fehlbildungen in diesen Ländern. Die Eisenmangel-Anämie ist weltweit auch heute unter Schwangeren weit verbreitet, sodass der Eisenzufuhr vor und in der Schwangerschaft weiterhin hohe Aufmerksamkeit gebührt, wie Dr. Nils Milman (Kopenhagen) betonte.
Die Tagungsteilnehmer folgerten, dass stärkere, bevölkerungsweit wirksame Anstrengungen unternommen werden müssen, um die verbreitete Unterversorgung mit diesen Mikronährstoffen in den kritischen Lebensphasen der Schwangerschaft, Stillzeit und frühen Kindheit zu bekämpfen. Für künftige Forschungsaktivitäten besteht insbesondere ein Bedarf an kontrollierten Interventionsstudien mit ausreichend großen Fallzahlen, um eine bessere Evidenzbasis zu etablieren. Hintergrundinformationen: www.early-nutrition.org, Quelle: Dr. von Haunersches Kinderspital der Ludwigs-Maximilians-Universität München, Pressemeldung vom 21.06.2011
Den Artikel finden Sie in Ernährungs Umschau 09/11 auf Seite 463.