Universität Hohenheim & Universität Göttingen: Weniger Fleisch - 60 % der Deutschen zeigen Bereitschaft
- 13.09.2013
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Laut einer aktuellen Studie wären 60 % der Deutschen zu einer Einschränkung ihres Fleischkonsums bereit. Erstellt wurde die Studie von der Universität Hohenheim und der Universität Göttingen (Lehrstuhl Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte, Prof. Dr. Achim SPILLER) im Auftrag der Edmund Rehwinkel-Stiftung.
Dabei verwendeten die Forscher Daten aus der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) für eine komplexe Computersimulation, um die Auswirkungen eines reduzierten Fleischverzehrs zu berechnen. Aus den Daten lässt sich ableiten, dass knapp 60 % der Bevölkerung eine Bereitschaft zeigen, ihren Fleischkonsum längerfristig einzuschränken. Dabei handelt es sich um Personen, die ein größeres Bewusstsein für die problema tischen Begleiterscheinungen eines hohen Fleischkonsums zeigen.
Den größten Einfluss auf die Höhe des Fleischkonsums habe die Bewertung des Gesundheitswertes von Fleisch(produkten): Personen, die Fleisch als ungesund einschätzen, sind eher bereit, den Konsum (noch weiter) zu reduzieren. Etwas abgeschwächt träfe dies auch auf die Einstellung zum Tierschutz zu. Die Forscher halten eine Reduktion des Fleischverzehrs von rund 20 % für erreichbar – unter der Voraussetzung, dass effektive Informations- und Gesundheitskampagnen stattfinden.
Die Modellanalyse zeigt in einem zweiten Analyseschritt, dass sich ein Rückgang des Fleischkonsums auf die globalen Lebensmittelpreise auswirken würde. Von diesen Preisänderungen könnten insb. ärmere Bevölkerungsschichten in Entwicklungsländern profitieren, die einen überproportional großen Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben.
Allerdings gäbe es auch eine Reihe von Anpassungseffekten, die die positiven Auswirkungen eines geringeren Fleischkonsums in Industrieländern wieder einschränkten: Wenn Fleisch durch den Nachfragerückgang in den Industrieländern günstiger wird, essen Verbraucher in den Entwicklungsländern durch die niedrigeren Preise mehr Fleisch. Dies kompensiere insgesamt rund die Hälfte des positiven Effektes. In der Summe ergeben sich aber immerhin noch globale Preisrückgänge für Fleisch von etwa 9 % und Rückgänge der Getreidepreise von bis zu 3 %.
Eine Reduzierung des Fleischkonsums in den Industrieländern würde also nach dem derzeitigen Stand der Ernährungsforschung per se positive Gesundheitseffekte bewirken. Hinzu kommen die positiven Einkommenseffekte für die Konsumenten in Deutschland, eine Schonung der natürlichen Ressourcen und eine beachtliche Verminderung des CO2-Ausstoßes. Langfristig sei das Konsumverhalten in den Industrieländern außerdem Lebensstilprägend für Schwellen- und Entwicklungsländer und könne auch dort zu einer Veränderung des Ernährungsverhaltens beitragen.
Kompletter Bericht: www.rentenbank.de/cms/dokumente/10011465_262637/65e61959/Schriftenreihe_Band29_final.pdf
Quelle: Universität Hohenheim, Pressemeldung vom 24.05.2013
Den Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 09/13 auf Seite M484.