Zu guter Letzt: Ente digital

Nein – kein verspätetes Online-Rezept für Federvieh zu Ostern, sondern ein paar Gedanken zu unserer schönen neuen digitalen Welt. Möglicherweise sind ganz ähnliche Gedanken bereits tausendfach „Im Netz“ vorhanden, ob gepostet, gestreamt, getwittert, in Foren formuliert oder bereits als Rap-Version auf YouTube – ich blogge, also bin ich – nun, jeder soll die Medien nutzen, die er mag.

Die klassische, gedruckte Zeitungs-Ente ist zwar nicht vom Aussterben bedroht, kommt aber angesichts der digitalen Nachrichtenflut schon recht altbacken daher. Der lautmalerische Vogel für N.T. markierte in den Anfangszeiten der gedruckten Medien Meldungen in letzter Minute, für die es noch keine Bestätigung aus einer zweiten Quelle gab. Stellte sich der Inhalt nach Erscheinen als falsch heraus, war es eben eine Ente. Von daher ist die Ente fast der siamesische Zwilling eiliger Meldungen im Wettrennen um die schnellste Veröffentlichung.

Auch seriöse Nachrichtensender kommen offenbar nicht mehr ohne ruckelige Handy-Reportagen z. B. aus Krisengebieten aus (ob die wütende Menschenmenge dann aus Libyen, dem Libanon oder Syrien stammt, wer kann es überprüfen, wer will’s wirklich wissen?). Angesichts dieser medialen Hektik kommt gedruckten Fachinformationen – selbstverständlich im Zusammenspiel mit gut aufbereiteten online- Angeboten – eine wichtige Rolle zu: Die notwendige Gegenrecherche einer Meldung, die Begutachtung eines Manuskripts durch mehrere Fachleute, z. B. im Peer-Review-Verfahren der Ernährungs Umschau, die Auswertung von Evidenzen sind ein wichtiger Gegenpol zum Motto „noch nicht zu Ende gedacht, aber bereits getwittert“. Print braucht Zeit, hält aber oft auch länger. Immerhin begrüßt auch Wikipedia seine Nutzer seit einiger Zeit regelmäßig mit Eigenwerbung – für ein Buch!*

Ihr Udo Maid-Kohnert

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ernährungs Umschau 04/12 auf Seite 248.

*„Alles über Wikipedia“– wikimedia.de/wiki/Wikipedia_Buch

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