Infektionsrisiko - Klassische Geflügelpest

Besteht für den Verbraucher im Zusammenhang mit der Klassischen Geflügelpest ein Infektionsrisiko durch Eier bzw. Geflügelfleisch? In einer gemeinsamen Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV) vom 9. Mai 2003 heißt es zu dieser Frage: Die Geflügelpest ist eine akute oder perakute und systemische Erkrankung des Geflügels.

Der Erreger vermehrt sich in den erkrankten Tieren zeitweise in allen Organen, auch im Legeapparat und im Darm. Mit allen Sekreten und Exkreten scheiden die erkrankten Tiere das Virus aus, besonders hoch ist die Konzentrationen im Kot.

Dies hat zur Folge, dass einerseits die Eischale mit Influenzaviren kontaminiert sein und sich andererseits das Virus auch im Inneren der Eier befinden kann. Eines der ersten Krankheitszeichen ist jedoch, dass Hühner entweder keine Eier mehr legen oder nur noch deformierte eiähnliche Gebilde mit weicher oder ganz ohne Kalkschale. Während der Inkubationszeit von 1 bis 3 Tagen kann allerdings kurz vor Ausbruch der Erkrankung pro Huhn noch ein normal aussehendes, jedoch schon mit Virus kontaminiertes Ei gelegt werden. Falls die Krankheit bis dahin nicht bemerkt wurde, könnten solche in den Handel gelangen. Allerdings werden bei Feststellung der Seuche üblicherweise alle Lieferungen rückverfolgt und aus dem Verkehr gezogen.

Ein Kontakt des Verbrauchers mit dem Virus durch Eier und Roheiprodukte ist trotzdem nicht völlig auszuschließen. Das Risiko einer Infektion des Menschen durch diese Transmissionsroute ist aber äußerst gering. Dass hat der Verlauf der Geflügelpestepidemie in den Niederlanden, Belgien und Deutschland gezeigt. Zwar traten ein Todesfall und ca. 80 Erkrankungen an Konjunktivitis/Keratokonjunktivitis auf, insgesamt war das Infektionsrisiko aber selbst für die in infizierten Beständen tätigen Menschen gering. Bei den Erkrankungen ist die Virusübertragung vermutlich durch direkten Kontakt mit Sekreten bzw. Tröpfcheninfektion oder virushaltigen Stallstaub über das Auge oder über den Atmungsapparat erfolgt.

Das Risiko einer Infektion des Menschen über den Verdauungstrakt durch rohe Eier und Roheiprodukte wird als wesentlich geringer eingeschätzt. Noch geringer ist das Risiko einer Übertragung durch rohes Fleisch. Influenzaviren sind sehr leicht thermisch inaktivierbar. Gekochte oder anderweitig erhitzte Lebensmittel sind deshalb per se als unbedenklich für eine Influenzavirusübertragung anzusehen, sofern eine Rekontamination mit dem Erreger ausgeschlossen werden kann. EU06/03

Weitere Kurzberichte finden Sie in Ernährungs-Umschau 06/03 ab Seite 240.

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