24. Ernährungsfachtagung der DGE-Sektion Thüringen: Hülsenfrüchte – was gut ist, kommt wieder
- 13.01.2017
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- Dr. Udo Maid-Kohnert
(umk) Man muss kein Vegetarier sein, um sich die Frage zu stellen, wie der Proteinbedarf der Weltbevölkerung langfristig und nachhaltig gedeckt werden kann. Nutzpflanzen aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae bzw. Leguminosae) können hierbei gleich in zweifacher Hinsicht helfen: Zum einen sind die Samen von Soja, Erbse, Bohne, Lupine & Co. reich an pflanzlichem Protein, zum anderen sind diese Pflanzen in der Lage, über symbiontische Knöllchenbakterien Luftstickstoff zu nutzen. Zwischen 50 und 200 kg Stickstoff pro Hektar können so in den Boden eingebracht werden.1
Grund genug für die Sektion Thüringen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, sich auf ihrer 24. Jahrestagung am 10.11.2016 in Jena unter dem Motto „Rennaissance des pflanzlichen Proteins“ ausführlich mit dem Einsatz von Hülsenfrüchten in der menschlichen Ernährung zu befassen. Der Schwerpunkt lag auf einheimischen Körnerleguminosen, v. a. Erbsen und Lupinen. Denn auch wenn es mittlerweile in einigen Regionen Deutschlands Sojaanbau gibt, wird der überwiegende Anteil noch aus anderen Ländern importiert, mit z. T. erheblichen ökologischen Konsequenzen. Der Anbau von Leguminosen könnte zudem die stark eingeengte Fruchtfolge aus Winterweizen, Wintergerste, Mais und Raps aufbrechen und der abnehmenden Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität entgegenwirken.
Vor diesem Hintergrund stellte Dr. Frank AUSTEN vom Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft die Proteinpflanzenstrategie des Landes Thüringen vor. Prof. Gabriele STANGL, Halle, und Prof. Gerhard JAHREIS, Jena, gingen auf die physiologischen Wirkungen pflanzlichen Proteins ein.
Fleischersatzprodukte auf Basis von Soja, Erbsen und Lupinen sind zwar immer noch ein Nischenprodukt, jedoch mit deutlichen Zuwachszahlen im Umsatz. Die weiteren Referenten befassten sich mit lebensmitteltechnologischen Fragen im Zuge der Herstellung dieser Produkte (Prof. Peggy BRAUN, Leipzig; Karl SELGMANN, Ramsen) ebenso wie mit den Herausforderungen bei deren Markteinführung (Friedrich BÜSSE, Bamberg) und dem Thema Pflanzenproteine in der Ernährungskommunikation (Prof. Christine BROMBACH, Wädenswil/Schweiz).
In der ERNÄHRUNGS UMSCHAU sind für 2017 mehrere Beiträge zu pflanzlichem Protein geplant.
1 Zum Vergleich: Winterweizen und Mais benötigen je nach Bodenqualität pro Jahr über 200 kg Stickstoff pro Hektar, Raps sogar bis 300 kg/Hektar als zusätzliche organische bzw. mineralische Düngung.
www.vci.de/vci/downloads-vci/pflanzenernaehrung-textheft.pdf; www.raiffeisen.com/pflanzen/ackermanager/weizen_duengung_html; www.maisfakten.de/story/Ben%C3%B6tigt%20Mais%20viel%20Stickstoff%3F; www.effizientduengen.de/download/AP_2011_09_067-072.pdf; (Zugriffe 19.12.16)
Diesen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 1/17 auf Seite M10.