Darmgesundheit: Wie erholt sich die Darmflora nach Antibiotikatherapie

Ein halbes Jahr nach einer Antibiotikatherapie ist das Mikrobiom des Darms zwar wieder regeneriert, jedoch bleiben einige empfindliche Bakterienarten dauerhaft verschwunden. Diese Erkenntnis veröffentlichte eine Forschungsgruppe des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Kooperation mit einem internationalen Wissenschaftsteam [1].

Für die Untersuchung verabreichte das Team 12 gesunden, jungen Männern über 4 Tage hinweg drei Antibiotika: Meropenem, Gentamicin und Vancomycin. Diese Wirkstoffe kommen v. a. dann zum Einsatz, wenn gängigere Medikamente nicht mehr wirken, weil die Bakterien bereits resistent geworden sind. Anschließend wurde das Mikrobiom der Probanden über 6 Monate untersucht. Mittels DNA-Sequenzierung bestimmten die WissenschaftlerInnen sowohl, welche Bakterienarten sich im Darm der Männer aufhielten, als auch, welche Gene in den Bakterien vorhanden waren. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf Resistenz-Gene gelegt, mit denen sich die Keime gegen Medikamente zur Wehr setzen.

Dabei konnte gezeigt werden, dass der Darm trotz der Verabreichung dreier stark wirksamer Antibiotika nicht vollständig steril wurde. Ein Teil der Keime wandelte sich zu Sporen um. Die anschließende Wiederbesiedlung verlief stufenweise. Dabei tauchten zunächst vermehrt pathogene Bakterien auf. Dies erklärt, weshalb die meisten Antibiotika Magen-Darm-Störungen hervorrufen. Mit der Zeit normalisierte sich die Darmflora wieder, pathogene Bakterien wurden nach und nach durch gesundheitsförderliche ersetzt. Nach 6 Monaten war das Mikrobiom nahezu wiederhergestellt. Es fehlten jedoch nicht nur einige der früher vorhandenen Arten, auch die Anzahl der Resistenz-Gene in den Bakterien hatte sich erhöht.

Aufgrund des dauerhaften Verlusts einzelner Bakterienarten und der erhöhten Anzahl der Resistenz-Gene zeigt diese Studie abermals, wie wichtig es ist, Antibiotika mit Bedacht einzusetzen. Weitere Studien sollen zeigen, wie es künftig besser gelingen kann, das Mikrobiom vor Schäden durch Antibiotika zu schützen. In einer aktuellen Studie wird untersucht, inwiefern eine langfristige Gabe von Antibiotika Einfluss auf die bakterielle Artenvielfalt im Darm nimmt und ob ein stärkerer Schwund an Spezies das Risiko von Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen erhöht.

Literatur:
1. Palleja A et al. (2018) Recovery of gut microbiota of healthy adults following antibiotic exposure. Nature Microbiology 3 [DOI: 10.1038/ s41564-018-0257-9]

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Pressemeldung vom 06.11.2018



Diesen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 2/2019 auf Seite M62.

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