Wettbewerb „Students4Kids“: Projekte gegen verborgenen Hunger in Afrika

Wie kann man verborgenen Hunger (hidden hunger) nachhaltig bekämpfen? Der Wettbewerb „Students4Kids“ der Assmann- Stiftung für Prävention und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) fördert konkrete Projektideen zur Bekämpfung des verborgenen Hungers. Hierzu soll der akademische Nachwuchs in Deutschland gemeinsam mit PartnerInnen aus den am stärksten von verborgenem Hunger betroffenen Ländern Lösungsstrategien erarbeiten. Partnerland 2018 war Uganda.

Rund um die „SimSim Balls“ haben Studierende von der FH Münster ein Konzept entwickelt, um verborgenen Hunger bei Kindern in Uganda zu bekämpfen. © FH Münster/Fachbereich Oecotrophologie – Facility Management
Rund um die „SimSim Balls“ haben Studierende von der FH Münster ein Konzept entwickelt, um verborgenen Hunger bei Kindern in Uganda zu bekämpfen. © FH Münster/Fachbereich Oecotrophologie – Facility Management

Etwa 80 studentische Teams hatten in dem mehrstufigen Wettbewerb Konzepte eingereicht, wie der verborgene Hunger bei Kindern in Uganda bekämpft und das Ernährungsverhalten nachhaltig verändert werden können.

Mit „SimSim Balls“ im Kampf gegen Hidden Hunger

Jolien Maltzahn und Wieland Buschmann von der FH Münster überzeugten als bestes Team die Jury mit ihrem Projekt „SimSim Balls“. Die „SimSim Balls“ – der Name leitet sich ab aus der Übersetzung für „Sesam“ aus einer der Sprachen Ugandas – bestehen aus den fünf Zutaten Hirse, Sesam, Erdnuss, Banane und Orange. Daraus sollen Bällchen täglich frisch zubereitet und den Kindern als Zwischenmahlzeit gegeben werden. Sie liefern Mikronährstoffe wie Eisen, Zink, Vitamin C, Kalzium und Niacin und tragen damit zu einer gesunden Entwicklung der Kinder bei. Die Zutaten sind so gewählt, dass sie mehrere Male im Jahr auf einem eigens dafür vorgesehenen Stück Land angebaut und geerntet werden können.

Durch engen Austausch mit dem Verein Lichtstrahl Uganda e. V., der in Uganda aktiv und vernetzt ist, konnte laut Maltzahn die Idee der „SimSim Balls“ gut an die lokalen Verhältnisse angepasst werden. Vorangegangene Ernährungserhebungen und eine kontinuierliche Erfolgskontrolle sind ebenfalls Bestandteile des Konzepts. Die Studierenden wollen mit Sensoriktests vor Ort überprüfen, ob die „SimSim Balls“ den Kindern schmecken, und darüber hinaus untersuchen, ob sich die Blutwerte verbessern. Ihr Konzept sieht zudem vor, die „SimSim Balls“ in ausgewählten Cafés in Münster zu verkaufen. Ein Teil des Erlöses soll dabei der Weiterfinanzierung des Projekts dienen. Buschmann studiert Ökotrophologie und Maltzahn im Master Ernährung und Gesundheit.

Help People Help Themselves

Mit dem von der Bayreuther Molekularbiologin Amelie Detterbeck entwickelten Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe „help people help themselves“ will sie die Bevölkerung in Uganda dabei unterstützen, sich kostengünstig mit nährstoffreicheren Lebensmitteln zu versorgen. Gemeinsam mit Jennifer Atoke von der Muni University in Uganda möchte Amelie Detterbeck Landwirte in Uganda beim Anbau von Pflanzen unterstützen, die besonders reich an Mikronährstoffen sind.

Zunächst geht es darum, mithilfe von Befragungen zu ermitteln, welche Pflanzensorten von den Landwirten in Uganda angebaut und in der Bevölkerung besonders häufig konsumiert werden. In einem weiteren Schritt werden der Mikronährstoffgehalt dieser Pflanzen ermittelt und besonders mikronährstoffreiche Sorten ausgewählt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen schließlich in eine Broschüre einfließen, die den Landwirten mit konkreten Empfehlungen zeigt, wie sie den gesundheitlichen Gefahren des verborgenen Hungers entgegenwirken können. Durch eine Auswahl an besonders wertvollen Sorten müssen die Bauern weder ihre Anbau- noch Ernährungsgewohnheiten umstellen und können dennoch eine deutliche Verbesserung ihrer Mikronährstoffversorgung erreichen – und das kostengünstig und ohne große Veränderung ihres Alltags.

Quellen:
- FH Münster, Pressemeldung vom 12.10.2018
- Universität Bayreuth, Pressemeldung vom 12.10.2018
-> https://students4kids.org/ 

Unter verborgenem Hunger versteht man eine chronische Unterversorgung mit Mikronährstoffen. Etwa 2 Milliarden Menschen sind vom Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen betroffen. Besonders kritisch ist die Lage auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara, so die Assmann-Stiftung für Prävention. Wachstumsstörungen und eine höhere Anfälligkeit für Darm- und Atemwegserkrankungen sowie für Malaria sind die Folge.



Diesen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 1/2019 auf Seite M10.

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