Fast ein Drittel der Weltbevölkerung ist übergewichtig. Bild: Pixabay
Fast ein Drittel der Weltbevölkerung ist übergewichtig. Bild: Pixabay

Umfrage zu Übergewicht: Betroffene sollen Behandlung selbst bezahlen

  • 05.02.2018
  • News
  • Redaktion

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Mannheim haben mit Hilfe von Befragungen untersucht, wie Übergewicht und Adipositas in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Demnach sehen die meisten Menschen die Schuld für starkes Übergewicht vorrangig bei den Betroffenen selbst, obwohl es zahlreiche Gründe für die weltweite Zunahme von Adipositas gibt.

Für den Artikel, der in der Fachzeitschrift "Annals of Behavioral Medicine" veröffentlicht wurde, haben die Wissenschaftler in Großbritannien mit über 1200 Personen und in Deutschland mit knapp 1000 Personen computergestützte Face-to-Face-Interviews durchgeführt. Zusätzlich gab es eine Online-Befragung in den USA mit ebenfalls fast 1000 Befragten. Die Wissenschaftler wollten von den Teilnehmern wissen, wen sie für starkes Übergewicht verantwortlich machen, wer ihrer Meinung nach die Behandlungskosten zahlen sollte und welche politischen Maßnahmen als wirkungsvoll angesehen werden.

In allen drei Ländern gaben die Befragten den Übergewichtigen die Hauptschuld an ihrer Situation. Gleiches gilt für die allgemeine Meinung zu Alkohol- oder Tabakabhängigkeit, wozu die Wissenschaftler dieselben Fragen stellten, da hier bereits erfolgreiche Präventions- und Interventionsmaßnahmen durchgeführt wurden.

Verständliche Nährwertkennzeichnung wird als wirksam eingestuft

Umso höher die persönliche Verantwortung bewertet wurde, desto stärker befürworteten die Befragten, dass der Einzelne auch für seine Behandlungskosten selbst aufkommen sollte. In Deutschland und Großbritannien war ein gutes Drittel der Befragten dieser Meinung, in den USA waren es knapp 45 Prozent. Das Ergebnis zeigt, dass die gesellschaftliche Unterstützung für politische Maßnahmen wie zum Beispiel eine Zuckersteuer auf bestimmte Lebensmittel eher gering ausfällt, obwohl diese Übergewicht in der Bevölkerung eindämmen könnten. 

Insgesamt bewerteten die Befragten Maßnahmen gegen die Verbreitung von starkem Übergewicht als weniger wirksam als die gegen Alkohol- und Tabakabhängigkeit – und das, obwohl eine Besteuerung bei diesen Konsumgütern heute bereits effektiv ist. 

Die wirksamste Maßnahme gegen Adipositas ist aus Sicht der Befragten dagegen eine verständliche Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln. Diese Art der Prävention zielt vor allem auf die Essensentscheidungen des Einzelnen ab und nimmt diesen somit in die Pflicht. Verständlichere Nährwertkennzeichnungen halten die meisten sogar für effektiver als deutliche Warnungen vor den Gesundheitsrisiken auf Alkohol- und Tabakprodukten.



Originalstudie: Mata, J., & Hertwig, R. (2018). Public beliefs about obesity relative to other major health risks: Representative cross-sectional surveys in the USA, the UK, and Germany. Annals of Behavioral Medicine. Advance online publication. doi:10.1093/abm/kax003

Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Das könnte Sie interessieren
Restore-Diät kann Darmmikrobiom und Gesundheit verbessern weiter
Ernähungsverhalten - Welchen Beitrag können „Boosts“ zur Entscheidungskompetenz leisten? weiter
Getreidereiche Ernährung – was sind Mythen, was sind Fakten weiter
Nudginginterventionen und Pharmakotherapie bei Adipositas weiter
Zur Verständlichkeit von Ernährungsempfehlungen bei Menschen mit Hörbehinderung weiter
Ernährungsberatung: 5 Ebenen der beraterischen Intervention weiter